Patagonien/Feuerland

Claudi

El Calafate

Im Januar hatten wir die Ehre, Besuch von meinen Eltern zu bekommen. Vor einem Jahr haben wir sie in Kuba getroffen und dieses Jahr konnten sie endlich auch unser Zuhause Hägar kennenlernen. Wir freuten uns riesig, dass sie den langen Weg bis Patagonien auf sich genommen haben, um uns Besuchen zu kommen. Von der gemeinsamen Zeit hat meine Mutter einen Blogeintrag geschrieben.

Susi

Nach zwei Nächten in Buenos Aires landeten Paul und ich pünktlich in El Calafate. Welch ein Wiedersehen mit David und Claudi! Bevor wir uns jedoch in die Arme schliessen konnten, pochte unser Herz wegen der Zöllnerin gleich noch höher, aber nicht ihrer Schönheit wegen. Die Frau durchsuchte unser Gepäck und konfiszierte gleich ein Mostbröckli, welches eigentlich als Mitbringsel gedacht gewesen wäre. Auf die Frage, ob wir noch mehr Verbotenes mitführen, zückte ich zögernd ein zweites Päckchen und gab es ihr schweren Herzens ab. Stillschweigend schloss ich die Rucksäcke und hoffte so mit dem restlichen Schmuggelfleisch davon zu kommen, was uns dann auch gelang.

Das Wiedersehen war grossartig. Unser Taxi Hägar, der noch grösser war, als wir uns immer vorgestellt haben, brachte uns zum Campingplatz in El Calafate. Kaum waren wir eingerichtet, stellte ich schockiert fest, dass unser Handgepäck Rucksack, mit Flugunterlagen und Kamera drin, spurlos verschwunden war. Die einzige Möglichkeit war, dass wir ihn vor lauter Aufregung bei der doofen Zöllnerin liegengelassen haben. Also fuhren wir zurück zum Flughafen und fragten uns durch. Zum Glück kam er dann prompt dort wieder zum Vorschein. Somit hatten wir uns definitiv einen grosszügigen Apéro verdient. Davids und Claudis Freunde Anita und Roger waren ebenfalls auf dem Camping und so verbrachten wir zu sechst einen gemütlichen Abend zusammen in einem Grillrestaurant. Nebst einem riesigen Grill mit diversen Fleischstücken wird hierzulande auch das typische „Cordero“ angeboten. Ein ganzes Lamm, aufgeklappt an ein metallenes Gestell gespiesst gart es stundenlange vor sich hin.

Die Vorfreude auf die erste Nacht im Camper (David und Claudi schliefen im Zelt) war gross. Ich war zuerst etwas skeptisch, wegen dem eingeschränkten Platzangebot und weil wir noch nie in einem Camper geschlafen haben. Aber wir schliefen beide wunderbar auf dem breiten und bequemen Schlafgemach.

Am nächsten Tag schlenderten wir durchs Städtchen und stärkten uns zwischendurch mit einem Kaffee und plünderten den Supermarkt für ein stilechtes Asado (Grillfest), welches wir uns für den Abend vorgenommen haben.

Bevor wir weiterreisen konnten, mussten wir zuerst ein Spital aufsuchen. Seit der Ankunft in Argentinien hatte Paul Schmerzen in der Rippengegend und um sicher zu sein, dass nichts mit der Lunge ist, wollten wir dies noch untersuchen lassen. Kaum haben wir das Krankenhaus betreten, kam er auch schon an die Reihe. Claudi ging als Dolmetscherin mit. Nach kurzer Untersuchung inkl. Röntgen stellte die Ärztin einen Muskelriss fest. Ohne stundenlanges Warten und ohne etwas für den Untersuch bezahlen zu müssen, machten wir uns mit Schmerztabletten ausgerüstet auf den Weg zum Lago Roca. Auf dem schönen gratis Camping verbrachten wir die Nacht, bevor wir zum nahegelegenen Perito Moreno Gletscher fuhren.  

Gletscher Perito Moreno

Extra machten wir uns am nächsten Morgen früh auf, um den Besuchermassen zuvor zu kommen. Auf der holprigen Strasse holte sich Hägar einen platten Reifen, welcher von David und Claudi in kurzer Zeit gewechselt wurde. Am Gletscher angekommen erwartete uns ein gewaltiges Naturspektakel. Der Perito Moreno ist ein Ausläufer des riesigen „Patagonian Ice Field“, welches mit 22'000km2 nach den Polregionen zu den grössten Eismassen der Welt gehört. Die Gletscherzunge des Perito Moreno erstreckt sich mit bis zu 60m hohen Eiswänden und 4 km Breite aus dem türkisblauen Lago Argentino. Er gehört zu den wenigen noch wachsenden Gletschern der Welt. Über Holzstege konnten wir die gewaltige Eismasse aus der Nähe bestaunen. Faszinierend waren die intensiven Blautöne und das ewige Knarren des Gletschers. Immer wieder kalbte er und wir wurden Zeugen von riesigen Eisabbrüchen. Zuerst sonnig, verdunkelte sich der Himmel zunehmend und wir überbrückten den Nieselregen mit einer gemütlichen Kaffeepause im Hägar. Schön, wenn man die Küche und Stube gleich griffbereit hat. Als der Himmel wieder aufhellte, wollten wir das Spektakel noch vom Boot aus sehen. Dieses fuhr nahe an der Eiswand entlang und so hatten wir noch einen Blick aus einer anderen Perspektive.

Parque Nacional Torres del Paine

Zurück in El Calafate suchten wir ein Hostel auf, wo wir alle die Dusche und den Strom noch einmal ausnutzten. Ausserdem mussten wir den kaputten Pneu flicken lassen. Am nächsten Tag fuhren wir stundenlang durch die Pampa, vorbei an unzähligen Guanacos (Verwandte der Lamas). Unser Ziel war der Torres del Paine Nationalpark. Da ein grosser Teil unserer geplanten Reise durch chilenisches Gebiet führt, mussten wir aus Argentinien aus- und in Chile wieder einreisen. Interessant war die Zollabfertigung. Für Paul und mich war dies Neuland, aber für David und Claudi gehören Zollübertritte zum Reisealltag. Bevor wir den Nationalpark erreichten, mussten wir schon wieder einen platten Reifen wechseln. Zum Glück hatten wir den kaputten Pneu noch reparieren lassen, sonst wären wir mitten im Nirgendwo ohne Ersatzreif stehen geblieben. Nachdem wir den Parkeintritt bezahlt hatten, fuhren wir zur Laguna Azul, wo es erlaubt ist, mit dem Reisefahrzeug eine Nacht zu campen. Ich brauchte Überwindung, die simplen Sanitäranlagen zu benutzen, wobei diese für David und Claudi schon zur Luxuskategorie gehörten, da es Warmwasserduschen gab. Die Aussicht vom Schlafplatz her auf die drei berühmten granitenen Felsnadeln des Torres del Paine Massivs war faszinierend. Mit Wanderschuhen ausgerüstet ging es am nächsten Tag auf eine Wanderung, vorbei am Salto Grande Wasserfall zu einem Aussichtspunkt. Nachdem wir den Nationalpark mit Hägar erkundet hatten, fuhren wir zur Laguna Grey, wo wir die Nacht auf dem Parkplatz verbrachten. In diese Lagune mündet der Grey Gletscher, von welchem grosse Eisschollen im Gletschersee schwimmen. Um diese Eisriesen bewundern zu können, unternahmen wir eine Wanderung bei starkem und kaltem patagonischen Wind. Nach der schönen Tour zu den blau leuchtenden Eisschollen, von denen David noch Eis für Whisky on the rocks mitnahm, verliessen wir den Nationalpark in Richtung Süden.

Puerto Natales/ Punta Arenas

Unser nächstes Ziel war Puerto Natales, wo wir wieder einmal ein gemütliches Hotelzimmer fanden. David und Claudi durften vor dem Hotel im Hägar schlafen. Wir alle nutzten das schöne Bad in vollen Zügen aus. Nach einem Dorfspaziergang und einem Besuch des Cordero Festes fanden wir ein gemütliches Restaurant und liessen es uns bei Grilladen, Gemüse, Papas fritas und Wein gut gehen. Ein weiterer gemütlicher und schöner Tag ging zu Ende. Zu viert frühstückten wir im Hotel und planten unsere Weiterreise. Die Stadt Punta Arenas, die an der Magellanstrasse liegt, war unser nächstes Ziel. Da unser Kühlschrank kahl und leer war, ging es zuerst einmal zum Lebensmitteleinkauf. Der grosse Einkaufswagen füllte sich schnell, da die Preise im Vergleich zu denen in Argentinien tiefer sind. Da wir kein geeignetes Zimmer für die Nacht fanden, übernachteten wir auf einem Parkplatz an der Küste. Der nächste Tag war ausgebucht mit diversen Erledigungen. Nach Gasflaschen- und Wasser füllen holten wir Offerten für neue Pneus ein. In Punta Arenas gibt es eine „Zona Franca“, wo zollfrei eingekauft werden kann, was für vier neue Pneus sehr lohnenswert ist. Nach einer Kaffeepause besuchten wir noch den Friedhof, welcher im Reiseführer als Sehenswürdigkeit aufgeführt ist. Während David und Claudi die bestellten Pneus abholten und montieren liessen, schlenderten Paul und ich zum bereits reservierten Hotel. Die Küchenfeen von Hägar haben einen feinen zNacht gezaubert, während die verwöhnten Männer sich ums Bier degustieren kümmerten.

Tierra del Fuego

Die Idee für den nächsten Tag war der Besuch einer Kolonie von Magellanpinguinen. Leider erfuhren wir auf Nachfrage, dass die Tiere in dieser Gegend nur noch auf einer vorgelagerten Insel und nicht mehr am Festland aufhalten. Also ging es halt in Richtung Fähre, die uns auf einer 20 minütigen Fahrt über die Magellanstrasse nach Tierra del Fuego (Feuerland) brachte. Seit 1 Jahr und 8 Monaten sind David und Claudi schon in Richtung des südlichsten Zipfels Amerikas unterwegs. Für uns ist es eine Ehre, dass wir die beiden genau in diesem Zeitraum begleiten dürfen. Zur Feier des Tages wurden wir auf der Fährüberfahrt von schwarz-weissen Delfinen (....)überrascht, die uns springend auf Feuerland begrüssten. Für Paul und mich war es das erste Mal, dass wir Delfine in freier Natur sehen konnten und dann gleich so spezielle.

Königspinguine in Onaissin

Auf Feuerland angekommen stand ein nächstes Highlight bevor, nämlich die Besichtigung der einzigen Königspinguin Kolonie Feuerlands. Da es bereits Abend war, verschoben wir die Besichtigung auf den nächsten Tag. Vom Parkranger bekamen wir einen nahegelegenen Schlafplatz Tip und richteten uns dort ein. Zwei Fahrradreisende kamen noch dazu und machten es sich in der kleinen Schutzhütte auf den Pritschen gemütlich. Uns erstaunte, mit wie wenig Gepäck sie unterwegs waren. Nicht wie bei den anderen Veloreisenden üblich mit 5-6 grossen Packtaschen, sondern nur mit je 2 kleinen Täschchen bestückt. Am nächsten Morgen freuten wir uns auf die Königspinguine. Durch eine Bretterwand mit Sichtfenstern konnten wir die Prachtexemplare aus ca. 50m Entfernung bestaunen. Wir waren hin und weg. Wer hätte gedacht, dass wir diese Tiere je in ihrer natürlichen Umgebung sehen würden? Wir trafen die einen stehend, die anderen bäuchlings liegend (wie umgekippte Bretter), die Jungen von den Eltern geschützt umgeben, an.

Lago Blanco

Mit einer schönen Erfahrung reicher nahmen wir den Weg zum Lago Blanco unter die Räder. Im Wäldchen am Ufer des Sees fanden wir einen gemütlichen windstillen Platz zum campen. Endlich konnten David und ich die Fischerrute auswerfen. Das Anglerglück stand leider nicht auf unserer Seite, aber das Fischen machte mir nach ca. 45 Jahren trotzdem immer noch Spass. Da es die Sonne an diesem Nachmittag gut mit uns meinte, sprang Paul kurzerhand ins kalte Nass. Aber auch das lockte die Forellen nicht an. Für die bevorstehende Grillparty sammelten wir Schwemmholz, das zu genüge herumlag. Mit Filet, Salchichas und Grillgemüse, einem frischen Kartoffelsalat und argentinischem Rotwein liessen wir es uns gutgehen. Der nächste Tag war trüb und nass, demzufolge verbrachten wir die meiste Zeit im Hägar mit Lesen, Rätseln, Armbändeli knüpfen und Siesta machen. Claudi und David brachten uns das Spiel „Bridge“ bei, welches wir den ganzen Nachmittag übten.

Lago Fagnano

Der Lago Fagnano war unser nächstes Ziel. Um dort hin zu gelangen, mussten wir Chile verlassen und wieder nach Argentinien einreisen. Kurz und schmerzlos ging die Einreise von statten. Zuerst mussten wir aber den chilenischen Grenzbeamten wecken (um 10.30 Uhr). Er stempelte unsere Pässe noch in den Pijamahosen. Um auf die argentinische Seite zu gelangen, gab es zwei Möglichkeiten. Entweder über die schmale, lottrige Holzbrücke, oder durch das Flussbett. Mir war beides nicht geheuer und mein Herz raste schon beim Gedanken daran. David entschied sich für die Brücke, welche er dann mit Hilfe unserer Handzeichen und seinem Fahrgeschick gekonnt überquerte. Die Einreise nach Argentinien war ebenfalls schnell erledigt. Die verbotenen Lebensmittel, die Claudi bereits in allen ihren Verstecken verstaut hatte, interessierten hier niemanden. Wir fuhren einige Stunden durch die Pampa, bis wir den Camping Hain am Lago Fagnano erreichten. Der aus recycelten Materialien erbaute Campingplatz begeisterte Paul und mich weniger, als David und Claudi. Begleitet von drei Strassenhunden spazierten wir den See entlang und suchten die Biberdämme, die es in der Gegend geben soll. Leider suchten wir diese vergebens, dafür fanden wir einen wunderschönen verwunschenen Märchenwald, für den es sich sehr lohnte, den Weg unter die Sohle zu nehmen. Nach dem Morgenspaziergang machten wir uns auf den Weg zum südlichsten mit dem Auto erreichbaren Punkt der Welt.  

Der südlichste Punkt der Reise

Die Landschaft wechselte von trister Pampa zu grünen, bewaldeten Hügeln. Die Fahrt dem Beaglekanal entlang war herrlich. Bei einer Station der Schiffsverkehrsüberwachung endete die Strasse. Nun waren wir da, am südlichsten mit dem Auto erreichbaren Punkt der Welt und waren überwältigt. Ein emotionaler Moment, den wir zusammen erleben durften.

Claudi:

Seit dem Start unserer Reise in Kanada haben wir ca. 63500 km mit Hägar zurückgelegt und seither unzählige schöne Dinge erlebt. Ende Juli 2015 erreichten wir Inuvik, die nördlichste mit dem Auto erreichbare Stadt Kanadas. Diese liegt nördlich des Polarkreises fast am Polarmeer. Ca. ein Jahr später überquerten wir den Äquator und nun standen wir da. Am Südzipfel Amerikas. Wir waren hin und weg und freuten uns riesig, diesen speziellen Moment mit meinen Eltern erleben zu können.

Susi:

Nahe der Kontrollstation entdeckten David und Claudi einen ruhigen Stellplatz neben einem Fluss. Dieser entpuppte sich jedoch als Fehlentscheidung, da der Boden vom Regen zu nass und sumpfig war. Wir entschieden uns, wieder raus zu fahren, aber die Räder drehten durch und fanden keinen Halt. Mit Baumrinden und Ästen unterlegten wir die Pneus und nach einigen Versuchen und sechs starken Hubiarmen entkamen wir dem Schlammassel. Mit festem Untergrund unter den Rädern und Füssen richteten wir unseren Campingplatz mit Tischli und Stühlen ein und konnten endlich mit Champagner auf diesen ereignisreichen Tag anstossen. Als Tüpfchen auf dem i bereiteten wir auf dem Benzinkocher unser aus der Heimat mitgebrachtes Fondue zu. Das war das wahrscheinlich am südlichsten gekochte Fondue der Welt.

Die Polizisten der Schiffsüberwachung luden uns am Tag zuvor ein, ihre Station besichtigen zu kommen. Daher machten wir einen Morgenspaziergang zu ihnen und erfuhren dort Einiges über den Schiffsverkehr im Beaglekanal. Mit einem Päckli Ricola bedankten wir uns bei ihnen für die Gastfreundschaft und verliessen den Ort nun natürlich in Richtung Norden.  

Ushuaia-die südlichste Stadt der Welt

Unterwegs sprangen David und Paul noch in den Beaglekanal. Bei schätzungsweise 7°C tauchten sie mit viel Überwindung ins eisige Nass. Nach einer Fahrt der Küste entlang vorbei an windschiefen Bäumen, grünen Wiesen und Feldern, erreichten wir Ushuaia. Die mit ihren 64'000 Einwohnern die südlichste Stadt der Welt ist. Nur 1000km weiter südlich befindet sich die Antarktis, die von hier aus mit Expeditionsschiffen erreicht werden kann. Nach längerer Suche fanden wir ein gemütliches Apartment für die letzten drei Nächte, während David und Claudi am Ufer einen Parkplatz fanden. In Ushuaia wollten wir natürlich Königskrabben, die hiesige Spezialität, verköstigen. Die 2-10kg schweren Tiere schmeckten hervorragend. Unser Plan war, ans Ende der Ruta 3, die Strasse die von hier unten 3045 km weit bis nach Buenos Aires führt, zu fahren. Da die Strecke durch einen Nationalpark führt und der Eintritt über 20.- pro Person gekostet hätte, kehrten wir um. Schliesslich waren wir einen Tag zuvor südlicher, als dieses Ende der Ruta 3 und nur für ein Foto mit einem Holzschild wären 80.- dann doch etwas übertrieben. Wir fuhren zur Sesselstation vom Gletscher Martial, um von da aus eine wunderbare Aussicht auf die Stadt, den Beaglekanal und die vor Anker liegenden Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffe zu geniessen. Bei T-Shirt Temperaturen schlenderten wir anschliessend durchs schöne Städtchen. Das Nachtessen kochten wir im Apartment und liessen den Abend beim Bridge spielen ausklingen. Am letzten gemeinsamen Tag unternahmen wir eine Katamaranfahrt auf dem Beaglekanal. Wir sahen viele Kormorane und Seelöwen. Als Highlight konnten wir beobachten, wie ein Buckelwal aus dem Wasser sprang, was für ein herrlicher und spezieller Anblick! Die Tour lohnte sich sehr, da auch das Wetter perfekt passte. Während die Männer sich zurückzogen, schlenderten Claudi und ich durch die Gassen und die Läden. Am nächsten Morgen fuhren wir früh los zum Flughafen und frühstückten ein letztes Mal gemeinsam im Hägar. Dann hiess es leider schon wieder Abschied nehmen.

 

Wir bedanken uns herzlichst bei David und Claudi für die genialen und wunderschönen drei Wochen, die wir gemeinsam verbringen durften. Es werden für uns unvergessliche Ferien bleiben, die wir einmal anders als gewohnt verbracht haben. Nämlich mit unserem treuen Begleiter Hägar, dem pflichtbewussten Chauffeur David, der uns immer super gefahren hat, sowie der Copilotin Claudi, die uns immer metergenau ans Ziel gelotst hat.

Claudi:

Auch wir genossen die gemeinsame Zeit mit meinen Eltern in vollen Zügen und möchten uns bei ihnen auch noch einmal herzlich für alles bedanken. Für mich war es schön, dass sie miterleben konnten, wie wir seit 1,5 Jahren leben und was alles so zu unserem Reisealltag gehört. Bis zum nächsten Wiedersehen wird es bestimmt kein ganzes Jahr mehr dauern, ich freue mich schon auf den Moment:-)

Claudi

Ushuaia Teil 2 und Parque Nacional Tierra del Fuego

Nachdem wir Mami und Papi zum Flughafen gebracht haben, brachten wir der Vermieterin des Apartments den Schlüssel zurück. Es ergab sich, dass wir anschliessend gleich bei ihrem Hostel, welches sie in ihrem Elternhaus betreibt, blieben. Wir parkten nebenan und durften Küche, Dusche, Strom und Internet nutzen. So verbrachten wir noch einige Tage da und erledigten allerhand und luden den letzten Blog hoch, was auch immer 2-3 Tage in Anspruch nimmt. Ja, 2-3 Tage imfall. Nur für euch. Nach den Tagen in Ushuaia fuhren wir zum Parque Nacional Tierra del Fuego, den Nationalpark mit der tollen „Ende der Ruta 3 Tafel“. Natürlich knipsten wir ein Foto davon, wenn wir schon mal da waren, aber unser richtiges südlichstes Foto war eh schon im Kasten. Den Nationalpark besuchten wir eher zum Wandern, was wir auch taten. Wir bestiegen den Cerro Guanaco (in der Schweiz würde dieser Piz Steinbock oder Murmelspitze oder so heissen), von wo aus wir eine grandiose Aussicht auf Ushuaia und den Beaglekanal hatten. Ausserdem trafen wir wieder auf Katrin und Alex, die beiden Reisenden mit ihrem Jolly Jumper Landcruiser, die wir aus Nordchile her kennen. Wir feierten unser Wiedersehen mit diversen Schlücken Wein und anstatt den nächsten Tag einem Kater zu opfern, tauschten wir nach einem gemeinsamen Brunch Filme, Serien, Bücher und Hörbücher aus. Toll war das Wiedersehen.

Feuerland nordwärts und PN Pali Aike

Nachdem wir den Nationalpark verlassen haben fuhren wir erneut zum Recycling Campingplatz, wo wir dank Regen zwei Serienglotztage machten. Beide letzten Staffeln Game of Thrones, die wir am Tag zuvor ergattert hatten, schauten wir. Das kann man etwa gleichstellen, wie wenn man als Kind seine ganzen 10 Franken Wegageld (welches für vier Tage reichen sollte) gleich am ersten Tag für Schleckzeug und Achterbahnen ausgibt.  Auch das muss mal sein. Nachdem wir den Camping verlassen haben, verabschiedeten wir uns von Feuerland und nahmen wieder die Fähre über die Magellanstrasse an den schwarz-weissen Delfinen vorbei, die uns wieder auf patagonisches Festland brachte. Wir Besuchten den Nationalpark Pali Aike und wanderten zu einem Vulkankrater. Nach einem letzten Hamstereinkauf in Chile, welches wie gesagt günstiger ist, als Argentinien, überquerten wir einmal mehr die Grenze. Dies war die sechste Einreise nach Argentinien. Und einmal mehr lief alles problemlos. Die Lebensmittelkontrolle beschränkte der Zöllner auf eine Runde Smalltalk und gab uns noch einige Reisetips. Unsere obligate Zwiebel interessierte ihn nicht, die durften wir behalten.

Durch die Pampa zu den Bosques Petrificados

Dann waren Fahrtage auf dem Programm. Es galt, die riesige Pampa zu durchfahren und wieder in wärmere Regionen zu gelangen. Unsere Schlafplätze lagen in diesen Tagen irgendwo in der Pampa (wortwörtlich) oder an Tankstellen neben den Truckern. Unterwegs besuchten wir das Monumento Natural Bosques Petrificados. Einen Ort, mit 65 Mio Jahren alten Bäumen, die unterdessen versteinert dalagen.  65 Mio Jahre...so was übertrifft meine Vorstellungskraft eindeutig. Ein eindrücklicher Ort.

Cabo Dos Bahías

Irgendwann erreichten wir Cabo Dos Bahías, wo eine grosse Kolonie Magellanpinguine lebt. Wir fanden einen herrlichen Schlafplatz am schönen blau leuchtenden Atlantik und besuchten dort die lustigen kleinen Möchtegern Butler. Die Pingus scheinen sich nicht über die Besucher zu stören, viele verweilen sogar direkt unter den Holzstegen, auf denen man die Wackelvögel besichtigen kann. Ich war hin und weg und David freute sich, dass ich mich so freute.

Punta Ninfas

Ein weiterer nennenswerter Zwischenhalt war bei Punta Ninfas, wo wir direkt auf einer Steilklippe am Atlantik übernachteten. Über einen steilen Abstieg gelangt man hinunter zum Wasser und nach einigem Suchen fanden wir auch endlich Seeelefanten. Um vieles fetter und einiges grösser wie die Seelöwen lagen sie dort am Ufer, schauten uns mit ihren riesigen Knopfaugen an und liessen sich fotografieren.

Las Grutas

Die Peninsula Valdéz, die für ihre perfekten Bedingungen für Whalewatching bekannt ist, liessen wir aus. Leider ist die Walsaison im Oktober/November und Pingus, Seelöwen und Seeelefanten haben wir ja schon gesehen, da können wir uns die 40.- Eintritt auch für etwas anderes sparen. Wir fuhren bis nach Las Grutas, wo wir viel Arbeit vor uns lag. Da sich unsere Reise langsam (Betonung auf langsam) dem Ende neigt, mussten wir uns mal um den Verkauf von Hägar kümmern. Wir verbrachten einige Tage mit Hägar putzen, Fotos vom Camper machen und der Gestaltung des Inserates. Wir hoffen, dass sich der Aufwand lohnt und unser geliebter Hägar an nette Besitzer verkauft werden kann.

Wer sich das Inserat anschauen möchte, kann das hier tun:

 

www.haegarforsale.jimdo.com

 

Nun begeben wir uns wieder ins Seengebiet in die Nähe von Neuquén, wo wir voraussichtlich einige Wochen auf einer Husky-/Pferdefarm verbringen werden, damit wir uns wieder ans Arbeiten gewöhnen können:-)

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Kommentare: 1
  • #1

    HubiGubsi (Dienstag, 18 April 2017 14:37)

    Holaaaa Gringos :-)
    ...."mit Betonig uf langsam" - da ghöremer denn gar nöd gern so öpis!! Hei chömer gopfertelichurzihose endli wiedermol astosse? Huere minchia ;-)))
    Guet chönd no warte bis nögst Wuche, ez schneits doch tatsächli grad, am 18.4.17 - pfui eifach nur pfui!! Sind doch grad chürzli no im Tiischi veruss gsi! :-/ Aso aber gell nögst Wuche denn ok?? :-)
    Hasta pronto guapa hermana y hermano politico... besitos y abrazos da suiza (oder so....) chaooo....