Bolivien

Claudi

Copacabana-Isla del Sol

Unsere ersten Tage auf der bolivianischen Seite des Titicacasees verbrachten wir in Copacabana. Ilona, David und ich machten dort noch einen Wanderausflug auf die Isla del Sol, während Philip mal wieder einen Seuchentag im Hägar verbrachte. Die Höhe des Altiplano schien ihm wohl nicht so recht zu bekommen. Mit dem Schneckendampfer schipperten wir auf die Insel, von welcher der Legende nach der erste Inkakönig stammen soll. Die Wanderung führte steil hinauf zu einem Höhenweg, welcher uns der ganzen Insel entlang führte. Eine herrliche Aussicht auf den dunkelblau leuchtenden Titicacasee begleitete uns während des ganzen Weges. Immer mal wieder mussten wir einige Bolivianos Wegzoll an die jeweiligen Dorfgemeinschaften abdrücken. Wieder am Hafen angekommen, warteten nebst der vielen Touristen ebenfalls unzählige Esel mit ihren bunten Packtüchern bewaffnet, welche auf die Ware der ankommenden Schiffe warten mussten, um sie dann den steilen Berg hinauf zu tragen.  

Nach unserem Aufenthalt an der „originalen“ Copacabana zogen wir weiter in Richtung La Paz. Um dorthin zu gelangen, muss ein Teil des Titicacasees mit einer Fähre überquert werden. Also eigentlich ist es eher ein Floss, bestückt mit krummen, losen Holzlatten, durch welche hindurch man zum Wasser hinunter sehen kann. Sehr vertrauenserweckend wirkte dieses Teil also nicht auf uns, aber da auch Reisebusse damit hin- und her geschippert werden, wird es wohl schon klappen. Ich kann mich erinnern, sogar schon einmal eine Dokumentation über diese Fähre gesehen zu haben. Das rauf- und runterfahren war ziemlich nervenaufreibend. Die Fähre wird mit einer Kette um eine wahrscheinlich uralte Holzlatte des Landungsstegs gewickelt. Nicht fixiert, sondern nur gewickelt. Kaum war der 5 Tonnen Koloss Hägar mit der Vorderachse auf dem Bretterhaufen gelandet, wollte sich die sogenannte Fähre auch schon verabschieden! Hilfeee! Jetzt weiss ich auch, warum in Copacabana alle ihr Auto mit Blumen schmücken und segnen lassen. Es wird eigentlich als Versicherungsersatz gemacht, aber wenn ich daran denke, dass die meisten wieder in Richtung La Paz und somit per Bretterfähre über den See müssen, ist der Fall wohl klar. Glücklicherweise schafften es Hägar und wir vier unbeschadet und trockenen Fusses bzw. Rades ans andere Ufer. Einen letzten Blick zurück auf den mit 3800müM höchstgelegenen schiffbaren See, ging unsere Reise weiter.  

La Paz

Im hügeligen La Paz (zwischen 3200-4100müM), dem Regierungssitz Boliviens angekommen, quartierten wir uns auf dem Camping beim Hotel Oberland ein. Dieser Ort ist schon seit Jahren ein regelrechter Overlander-Treffpunkt. Das Hotel wurde von einem Schweizer gegründet, gehört aber seit vielen Jahren Walter, einem anderen Schweizer. Als erstes wurde natürlich der Whirlpool getestet, welcher mit seinem kühlen und halb gefüllten Becken jedoch nicht überzeugen konnte. Das Fondue Chinoise bzw. Cordon Bleu im Restaurant dagegen haute uns fast aus den Socken. Läck Bobby, das war vielleicht lecker! Manche fragen sich vielleicht, warum man als Reisende in fernen Ländern ein Schweizer Restaurant besucht, aber wenn man schon so lange von zu Hause weg ist, kann man sich wie ein kleines Kind über ein von zu Hause bekanntes Menu freuen. Natürlich erkunden wir auch regelmässig die landestypische Küche, aber zwischendurch ist ein bisschen kulinarische Heimat nicht verkehrt.

In der Stadt gibt es einen Hexenmarkt, auf welchem es wohl gegen jede Krankheit ein Kräutchen, eine Salbe, einen Talisman oder was auch immer zu erstehen gibt. Beispielsweise hängen auch überall getrocknete Lamaföten, welche der Pacha Mama (Mutter Erde) geopfert, oder auch beim Hausbau in jede Ecke eingemauert werden, um das Heim und die darin wohnende Familie zu beschützen. Eine kuriose Gasse. Nach dem schrägen Viertel widmeten wir uns verschiedenen Cafés und Lädeli und buchten eine Mountainbike Tour, bei welcher wir der Todesstrasse entlang hinunter rasen können.  

Camino de la muerte-die gefährlichste Strasse der Welt

Die Todesstrasse, oder auch camino de la muerte, galt lange als die gefährlichste Strasse der Welt. Wohl jeder hat schon irgendwann einmal im Fernseher eine Dokumentation darüber gesehen. Der schlimmste Verkehrsunfall Boliviens ereignete sich auf dieser oft nebligen Strecke, als im Jahr 1983 ein Bus mit 100 Passagieren in die Tiefe stürzte und alle Insassen in den Tod riss. Seit 2006 besteht eine asphaltierte Umfahrungsstrasse, zum Glück aller LKW Fahrer und nun auch zum Glück vieler Touristen, die wie wir diese wunderschöne Strecke mit dem Fahrrad runterbrettern wollen.

 

Die Tour begann auf dem La Cumbre Pass auf 4650müM und führte hinunter bis 1185müM nach Yolosa, wobei man alle Klimazonen vom ewigen Eis bis in die Tropen durchquert!

 

Auf dem Pass wurden wir mit Knie- und Ellenbogenschonern, Schutzhosen, Jacke, Handschuhen und Helm ausgerüstet (als ob es was bringen würde bei einem Absturz). Die erste Stunde konnten wir auf der neuen, perfekt asphaltierten Strasse den Berg hinunterrasen, danach begann die berüchtigte Deathroad. Die Strasse wurde nun zur Schotterpiste mit tiefen Abgründen ohne Leitplanken. Linksverkehr ist hier die Regel. Anscheinend kommt diese Regelung von früher, damit die mit Früchten schwer beladenen LKWs aus dem Amazonas an der Bergseite und die leeren oder weniger schwer beladenen von La Paz kommenden Lastwagen am Abgrund fahren konnten. Somit war das Risiko, dass die Strasse ausbricht, geringer.

Wir hatten Wetterglück und konnten ohne Nebel und Regen die traumhafte immer grüner werdende Strecke hinunter fahren. Es wurde immer heisser und schwüler, da wir uns von hochandiner Kälte bis zu tropischer Hitze hinunter schraubten. Die 64km lange Fahrt dauerte ca. 4,5h und war ein grandioses Erlebnis! Unten angekommen gab es in Coroico Mittagsbuffet und einen Pool und Duschen, um uns vom Dreck der Abfahrt zu befreien.

Am nächsten Tag ging ich mit Pilona einkaufen und noch einmal in die City. Wir schauten uns die berühmt berüchtigte Gefängnisstadt San Pedro von aussen an, welches einen ganzen Strassenblock gross ist. Viel mehr sehen als eine riesig grosse Mauer konnten wir jedoch nicht. Speziell an diesem Knast ist, dass nur der Eingang von der Polizei bewacht wird, drinnen herrscht das Gesetz des Stärkeren bzw. Reicheren. Wer Geld hat, kann sich ein Bett oder sogar ein Zimmer leisten, wer nicht, schläft irgendwo unter freiem Himmel. Auch Familienangehörige leben bei ihren straffälligen Männern. Ein Kind oder eine Frau anzufassen traut sich jedoch fast niemand und wenn doch, liegt er am nächsten Tag erstochen im Hof...

 

Wir schlenderten noch etwas in den Gassen von La Paz herum und machten eine Fahrt mit einer der vielen Gondelbahnen, die hier als normales Verkehrsmittel dienen. Von der Innenstadt bis nach El Alto, der hoch oben gelegenen, inzwischen mit La Paz verschmolzenen Stadt, sind es per Gondel ca. 10min, per Bus oder Taxi dank dem Verkehr und den engen Gassen, 1.5-2h. Wir waren überwältigt von der unglaublichen Aussicht auf die riesengrosse hügelige Stadt und den schnee- und eisbedeckten 6000ern, die nahe der Stadt in den Himmel ragen. Nach Snack und Bierli liessen wir uns von einem Taxi wieder zum Oberland chauffieren.  

Auf dem Weg nach Rurrenabaque

 

Nach dem hoch gelegenen kühlen La Paz sehnten wir uns nach Wärme und Dschungel. Da gab es nur ein logisches Ziel: Rurrenabaque. Von vielen Reisenden wurde uns Rurre als Reisedestination empfohlen, jedoch abgeraten, mit dem Camper dahin zu fahren. Die Strasse sei miserabel, gefährlich und von Schlaglöchern übersät. Wir hatten drei Möglichkeiten: selber Fahren, mit dem Bus mitfahren oder fliegen. Wir erkundigten uns über Flüge, entschieden uns aber wegen der hohen Preise dagegen. Bus wäre zwar billig, aber relativ unsicher. Wenn man einmal gesehen hat, wie die Reisebusse hierzulande herumfahren, kommt diese Option auf keinen Fall infrage. Um die Bremsen und den allgemeinen Zustand der Busse geht es nicht einmal, sondern vor allem um die übermüdeten 18h Schichten arbeitenden Fahrer, die sich mit dick gefüllten Coca-Hamsterbacken und sonstigen Aufputschmitteln wach halten, damit sie während der fahrt nicht einschlafen. Da vertrauen wir doch lieber dem cocakauenden David, der das Fahren auf schlechten Pisten mit Hägar gewohnt ist und dessen Fahrkünsten wir getrost vertrauen können. Ohne Frage entschieden wir uns fürs selber fahren. An der Strasse werde zwar immer noch fleissig gebaut, sie sei aber schon deutlich besser als noch vor einem Jahr, teilte uns Walter vom Oberland mit.

 

Frühmorgens machten wir uns auf und kämpften uns zuerst einmal durch den chaotischen La Paz'schen Grossstadtverkehr. Wieder über den verschneiten La Cumbre Pass ging es diesmal auf der asphaltierten Umfahrungsstrecke erneut hinunter bis ins Tiefland. Schon um 12.00 wurde unsere Reise vorerst beendet. Baustelle. Laut Walter sei nur noch eine 60km lange Strecke kurz vor Rurre im Bau, was scheinbar nicht stimmte. Solche Dinge können sich hier rasch ändern. Die Bauarbeiter und Lastwagenfahrer konnten uns keine genaue Auskunft über die Baustellenlage geben. Wahrscheinlich würde die Schranke um 17.00 wieder geöffnet werden, sodass man dann weiter komme. An lange Wartezeiten scheinen die Bolivianer gewohnt zu sein, denn die Trucker und Busfahrer, wie auch wir, nahmen die Zwangspause gelassen zur Kenntnis. Ist halt so. Also war Siesta angesagt. Über die Stunden weitete sich die Kolonne wartender Autos, LKWs und Busse immer mehr aus. Gracias a Dios waren wir an vorderster Front mit dabei. Um 16.40 startete der erste LKW seinen Motor, was zur Folge hatte, dass alle in ihre Karren stürmten, ihre Motoren anwarfen und mit einem fröhlichen, von einem schelmisch lachenden David angezettelten Hupkonzert, die nahende Weiterfahrt feierten.

 

Kaum wurde die Strasse für die Weiterfahrt freigegeben, begann der Kampf um den vordersten Rang. Um jeden cm wurde gekämpft. Wir liessen uns den Spass natürlich nicht nehmen und mischten beim bolivianischen Nationalsport „Drängeln mit aller Macht“ eifrig mit. Wir sichern uns doch nicht einen Pole Position Platz und geben diesen dann kampflos auf! Die Strasse war holprig, aber für uns problemlos zu befahren. Da uns bestimmt noch weitere Baustellen auf der Strecke erwarten würden, jedoch niemand genau Bescheid wusste, ob und wann weitere Baustellen kommen würden, entschieden wir uns für eine Nachtfahrt. Eigentlich vermeiden wir Fahrten im Dunkeln, aber in diesem Fall machten wir eine Ausnahme, da die Baustellen nur zwischen 17.00 und 6.00 oder Sonntags befahren werden können. Wir trafen die richtige Entscheidung, denn wir passierten zwei weitere Baustellen. Kurz vor unserer Ankunft hatten wir noch einen Platten und mussten im Dunkeln mitten in der Pampa noch einen Reifen wechseln. Um 1.00 war es dann geschafft, die letzte Baustelle passiert und wir endgültig bettreif. Am Strassenrand nahmen wir eine Mütze Schlaf, bevor es dann am nächsten Morgen die letzten 100km auf perfekt asphaltierter Strasse nach Rurrenabaque ging. Auf dem Weg liessen wir unseren Reifen noch flicken. An jeder Ecke findet man hier sogenannte Llanterías („Reifereien“), wo man kaputte Reifen vulkanisieren lassen kann. Mit einem Stückchen Altpneu, mit Metallklemmen und Stromkabeln versehen wurde das Loch semiprofessionell verschweisst. Während unser „Flick“ rangepeppt wurde, verspeiste unser Mann in aller Seelenruhe sein Mittagessen. Selber schuld, wenn man um die Mittagszeit vorbeischneit, da kann man als Kunde auch 1.5h warten. Sein Problem.

Rurrenabaque

In Rurre angekommen quartierten wir uns im „El Mirador“ ein. Dieses Hotel mit Pool und herrlicher Aussicht wurde vom selben Schweizer errichtet, der das Hotel Oberland in La Paz einst gebaut hatte. Vor Kurzem ist er verstorben und nun schaut seine 23 jährige Tochter Jara, dass der Laden läuft. Als halbe Bolivianerin und halbe Schweizerin, also auch von einigen Einheimischen als „Gringa“ angesehen, steht sie vor einer schwierigen Aufgabe. Sie unterbrach ihr Bauingenieur-Studium in der Schweiz, um in Bolivien alles zu regeln, denn das bolivianische Militär stellt erneut Besitzansprüche an ihr Land, um welches sie nun vor Gericht kämpfen muss. Ausserdem gilt es, die Hotelanlage auf Vordermann zu bringen. Die zwar sehr netten Betreiber des Hotels geben sich wirklich Mühe, rufen jedoch wegen jeder Kleinigkeit um Jaras Hilfe, die sich um alles, sogar um defekte Glühbirnen und solche Sachen kümmern muss. Sie meistert ihre Aufgaben mit einer beeindruckenden Gelassenheit, Hut ab vor so viel Stärke und Mut!

 

Nebst Jara und ihrem Freund Gabriel lernten wir auch Peter kennen, ein Schweizer Auswanderer mit vielen spannenden Geschichten auf Lager, der uns nun täglich mit seinem Motorrad besuchen kam. Auch Eva und Willi aus Österreich, die wir bereits in Puno und in La Paz getroffen hatten, trudelten im Mirador ein. Wir genossen die Zeit mit netten Plaudereien, Plantschrunden im Pool, Babybüsi streicheln, Hängematte hängen und frischen Mangos, die direkt sitzend über unseren Köpfen gepflückt und verspeist werden konnten.

 

In einer Bar bei Bierchen und Billard feierten wir in meinen 30. Geburtstag hinein. Um Mitternacht spendierten die netten Barbesitzer eine Lokalrunde Shots. Diese wurden in zwei Reihen übereinander gestapelt aneinander gereiht und ich durfte das erste Gläschen anschubsen, damit die restlichen 29 Shotgläsli ins jeweilige untere Glas reinrutschten, Schnaps-Domino, sozusagen. Auf dem Nachhauseweg zum Mirador hoch wurden wir von Luna, dem Barhund begleitet. Dieser klebte wie eine Klette an uns, lockte alle anderen Strassenhunde an, welche WIR dann von ihm wegjagen mussten, da er sich immer zwischen Philip, Ilona, David und mir versteckte. Abschütteln liess er sich nicht. Am nächsten Morgen, nach einer durchwinselten Nacht, wartete er immer noch vor unserer Türe, bis wir endlich wieder aus Hägar und dem gemieteten Cabaña herauskamen. 

Mein 30. Geburtstag

Meine erste Aufgabe als 30 Jährige war es also, einen kleinen Hund wieder in seine Bar zu bringen. Also machten sich Ilona und ich auf den Weg ins Dorf, wo wir Luna beim Mercado abschüttelten, denn da durfte sie nicht rein. Von dort aus fand sie die letzten 100m bis zur Luna Bar (aha!) auch wieder alleine zurück. Wir kauften für einen zünftigen Grillabend ein und liessen uns mit den vielen Leckereien per Töfftaxi auf den Hügel zurück chauffieren. David bereitete derweil einen herrlichen Geburibrunch vor. Ich konnte einen friedlichen Geburtstag verbringen, wurde reich beschenkt und genoss die nette Runde. Wir machten einen gemütlichen Grillabend mit Rinderfilet, Pouletspiessen, Salaten und feinen Schoggibananen mit unseren österreichischen Freunden, auch Jara und Gabriel gesellten sich später noch zu uns ans Feuer. Danke euch nochmals allen für den unvergesslichen Tag/Abend und die vielen schönen Geschenke!

 

Am nächsten Morgen durften David und ich dann in Pilonas Cabaña (mit Klimaanlage notabene) ausschlafen. Dass sie mir bzw. uns eine Nacht im Hotelzimmer geschenkt hatten, schien Philip bereits am nächsten Morgen bitter zu bereuen, als er schweissüberströmt von einem leichten Käterchen geplagt in der Hängematte um ein kühles Lüftchen flehte. Er konnte einem fast leid tun, aber mit dem Geschenk hatte er die Rechnung ohne David gemacht, der die bequeme Matratze im kühlen Zimmer bis 16.30 auskostete:-)! Am Abend waren wir sechs dann alle bei Jara und Gabriel zum Essen eingeladen. Sie wohnt weiter oben auf dem Hügel in einem grandiosen, ebenfalls von ihrem Vater erbauten Rundhaus, welches auf einem hohen Turm über den Baumkronen thront und wohl die wunderbarste Aussicht ganz Rurrenabaques zu bieten hat. Wir wurden fürstlich verköstigt mit einem leckeren veganen Mehrgang Menue. Zu unserem Glück ist Gabriel nämlich Koch und beherrscht sein Handwerk wirklich gut! Es war ein sehr schöner Abend, wieder in geselliger Runde.

Dschungeltour Tag 1

Wir kamen nicht nur zum Geburtstag feiern und Essen nach Rurre, sondern auch, um eine Tour in den Dschungel und in die Pampa zu machen. Wir hatten Glück und bekamen für uns vier einen eigenen Guide. Per Boot ging es auf dem Río Bení Flussaufwärts, bis wir in der Dschungellodge ankamen. Liebevoll gestaltete Holzhüttchen mit Moskitonetz Fenstern und Palmendächern erwarteten uns. David der Guide, wuchs in einem der Dschungeldörfer auf und wusste uns unglaublich viel zu erzählen. Wir streiften gemeinsam durch den Dschungel, wobei er uns allerlei Spannendes über die Pflanzenwelt, v.a. die Naturheilpflanzen und die einheimische Tierwelt, zeigte und berichtete. Eine zur Lokalanästhesie benötigten Pflanze liess kurzzeitig unsere Zunge betäuben, unser David testete seine Schmerzgrenze, indem er sich von einer Feuerameise beissen liess, wir degustierten verschiedene Dschungelfrüchte und Termiten, flochten Flaschentragtäschchen aus Palmwedeln und einer Liane, beobachteten eine Schlange, Spinnen etc. und retteten auf der Nachttour einen Leuchtkäfer kurz vor seinem sicheren Tod aus seinem Spinnennetz Sarg, um hier nur einige wenige Beispiele zu nennen. Zum zMittag und zNacht wurden wir reichhaltig bekocht und in der Nacht verkrochen wir uns unter unseren Moskitonetzen im Dschungelzimmer.  

Dschungeltour Tag 2

Am nächsten Tag ging es mit Sack und Pack weiter. Durch die üppige Selva wanderten wir ein paar Stunden bis ins „Dschungelcamp“. Nicht so ein Hartz 4 TV Scheiss, sondern ein richtiges Dschungelcamp mit Pfadilager ähnlicher Outdoorküche, selbst gebauten Holzbänken, Tischen und einfachen Holzbetten mit Matratzen, die wir mit den mitgebrachten Moskitonetzen behängten. Sogar ein Palmwedel Dach hatten wir über dem Kopf, diesmal aber ohne Wände, sondern Freiluft mitten im Dschungel. Da kann man nur hoffen, dass sich der Jaguar, dessen Spuren wir nahe des Camps sichteten, nachts nicht an unsere Kehlen heranschleicht. Plötzlich hörten wir einen riesigen Lärm, begleitet von einem ziemlich strengen Gestank. Eine Horde von ca. 100 Wildschweinen rannte 50m neben unseren Betten vorbei. Aus der Siesta aufgescheucht schauten wir verwirrt umher. Der arme Philip hockte derweil ganz alleine auf dem WC, welches 400m weiter weg mitten im Dschungel steht. Ohne Bretterwände geschützt, sondern nur mit einem Moskitonetz „umrahmt“ steht die Schüssel mitten im Wald. Also ich an seiner Stelle wäre wahrscheinlich vor Schreck in Ohnmacht gefallen, wäre ich hilflos und alleine mit heruntergelassener Hose dort draussen gesessen! Wir konnten uns kaum mehr halten vor lachen, als er zurückkam! Unser Guide erklärte uns dann, dass die Schweine heute Abend oder spätestens Morgen früh wieder hier durch kommen werden, da das Tal eine Sackgasse sei.

 

Von hier aus unternahmen wir noch einen Walk auf einen Felsen, in dessen Höhlen hunderte Aras ihr Zuhause haben. Von oben konnten wir die wunderschönen bunten Vögel beobachten, wie sie Paarweise herumflogen oder mit ihren Nachbarn einen Schwatz auf einem Ast hielten. Beeindruckend finde ich, dass die Paare ihr ganzes Leben lange zusammenbleiben. Stirbt einer der beiden, bleibt der zweite den Rest seines Lebens alleine. Nach dem Ausflug zu den treuen Seelen, mussten wir vor dem herannahenden Unwetter Reissaus nehmen. Die Gewitterwand nahte heran und heftige Windböen kamen voraus. Ziemlich ungemütlich ein Sturm mitten in tausenden von Baumriesen. Als der Wind dann endlich abstellte, musste unser Dschungeldavid uns dann einen Weg mit der Machete aus den umgestürzten Bäumen schlagen, damit wir wieder zum Camp zurück kamen. Wieder wurden wir herrlich bekocht und bevor wir uns unters Mückennetz verkrochen, gingen wir auf einem Nachtwalk auf die Suche nach dem Jaguar, leider erfolglos. Die Taschenlampen auszuschalten und 1min zu horchen, fand ich mässig lässig, da fühlte ich mich unterm Mückennetz viel sicherer, haha! Sehr erholsam war die Nacht jedoch mit den schönen Dschungelgeräuschen und der sauerstoffgesättigten Waldluft.  

Dschungetour Tag 3

Am nächsten Morgen, wir sassen schon bereit, um unser Frühstück zu verspeisen, schreckte der noch schlafende Guide David aus dem Schlaf, kam angerannt und verkündete, dass gleich die Wildschweine wieder kommen müssten. Keine 5min später vernahmen wir wieder den gleichen Lärm wie gestern, der die Ankunft der Schweine ankündigte. Als wir David fragten, woher er jetzt wusste, dass die Horden kommen wird, hat er geantwortet, er hätte sie gewittert. Ja, wenn man im Dschungel aufwächst, scheint man noch über ausgeprägte Sinne zu verfügen. Er erzählte uns, dass sie zu Hause auf ihren Riecher angewiesen waren, denn sobald man die Tiere witterte, galt es die Waffen zu holen und sein Essen zu erlegen. Die Wildschweine kamen direkt zu unserem Camp und plünderten die fast leeren Töpfe und die Essensreste vom „Küchenboden“. Wir konnten direkt nebenan das Schauspiel beobachten. Einfach herrlich! Mit dem selbstgebauten Balsaholz Floss liessen wir uns zurück zur Dschungellodge treiben, wo wir den letzten Tag im Dschungel noch Kunsthandwerk, sprich Fingerringe und Halsketten aus einer Ölnuss und verschiedenen Samen herstellten.  

Pampatour Tag 1

Am nächsten Tag ging es zurück nach Rurre, wo wir an einen anderen Guide weitergereicht wurden, mit dem wir noch die Pampa erkunden konnten. Zwei weitere Schweizer kamen zu unserer Gruppe hinzu. Mit dem Auto wurden wir weg vom Dschungel in die Pampa gefahren. Schon auf dem Weg entdeckte unser Fahrer Faultiere, die in den Bäumen hingen und irgendwelche grossen Vögel. Dort angekommen, stiegen wir in ein Boot um, welches uns wieder in eine liebevoll gestaltete Lodge brachte. Die Pampa ist unglaublich reich an Tieren und so konnten wir während unserer Bootstour dem Fluss entlang hunderte Gapybaras  - Wasserschweine sehen. Die sehen aus wie riesige Meerschweinchen. Nebst den Riesennagern wimmelte es von Kaimanen und verschiedensten Vögeln. Sogar die rosaroten Flussdelfine bekamen wir zu Gesicht. Nach dem Mittagessen rief plötzlich unser Guide, dass wir schnell kommen sollen. Er entdeckte einen Vogel, der nervös auf dem Zaun neben einem Baum herumhüpfte und daraus schloss er, dass Gefahr in der Nähe sein muss. Prompt entdeckten wir eine grün leuchtende Anakonda in einem Baum , wie sie ein Mausnest plünderte. Ein Babymäuschen nach dem anderen würgte sie hinunter. Wir hatten ein unglaubliches Glück, eine dieser wunderschönen Schlangen während der Nahrungsaufnahme beobachten zu können, echt überwältigend!

Am Nachmittag stand dann ein Highlight auf dem Programm, worauf wir uns riesig gefreut hatten. Piraña fischen! Silch, Haken und Fleischbröckli, das war alles, was wir benötigten. Kaum waren die Haken im Wasser, zogen wir auch schon die ersten Pirañas raus. Auch kleine Catfishes, Katzenwelse bissen an. Ilona konzentrierte sich eher aufs Unterwassergärtnern und zog diverse Äste raus;-) Unsere Opfer wurden uns dann am Abend frisch frittiert auf die Teller serviert. Die Pirañas haben uns sogar gut geschmeckt, obwohl diese Vorstellung vielleicht etwas komisch scheinen mag.

Am letzten Tag stiefelten wir dann in der prallen brütenden Sonne eine gefühlte Ewigkeit im hohen Gras herum, um Anakondas zu suchen. Die Schlangen interessierten uns in dieser gnadenlosen Hitze nicht die Bohne, hatten wir doch schon eine im Baum gesehen und die Chance, diese zu dieser Jahreszeit im meterhohen Gestrüpp zu finden liegt bei mickrigen 10%. Lieber hätten wir noch ein paar Pirañas gefischt. Nach einem weiteren üppigen Mittagessen ging es dann zurück nach Rurre, wo wir die ereignisreichen Tage Revue passieren lassen konnten. Nach der tollen Zeit im Amazonasgebiet verabschiedeten wir uns von Jara, Gabriel, Eva und Willi und fuhren, da es Sonntag war, tagsüber bis Coroico, wo wir einen Übernachtungsstopp einlegten.

Auf dem Altiplano bis Sucre

Nach den warmen Temperaturen im tropischen Tiefland führte uns unser Weg wieder hoch aufs Altiplano, dem riesigen Hochplateau, auf welchem wir uns schon seit dem Titicacasee bewegten. Von 1200 direkt auf 3800-4000müM war nicht die schlauste Idee, denn eigentlich sollte man seinen Körper für solche Höhenunterschiede akklimatisieren. Da es jedoch sehr schwierig ist, zwischen Coroico und La Paz einen Schlafplatz auf geeigneter Höhe zu finden (ausser auf dem 4650m hohen La Cumbre Pass...), mussten wir da durch. Coca kauen war die einzige Lösung, da dieses Wunderkraut bei solchen Höhen bei der Sauerstoffaufnahme im Blut und somit gegen die Höhenkrankheit hilft. Denn nach einer Woche im Tiefland war unsere vorherige Akklimatisation Vergangenheit. Der schnelle Höhenanstieg machte sich dann bei uns in verschiedenen Formen bemerkbar, sei es mit Schlaflosigkeit, Herzrasen, kaum aushaltbarem Blähbauch oder Erkältung...Aber niemand wurde so von der Höhenkrankheit geplagt, dass es ernsthaft gefährlich geworden wäre. Nun standen einige Fahrtage auf dem Programm, bis wir in Sucre, der Hauptstadt Boliviens, ankamen.

Sucre

In Sucre konnten wir im Garten eines netten pensionierten Paares parken. Die beiden haben ihren Garten zu einem Mini Camping mit Internet, Duschen, Toiletten, Küche etc. umfunktioniert. Hier mussten wir einiges erledigen wie neue Reifen kaufen, auf die Suche nach div. Filtern und Ölen für Hägar gehen, Wäsche waschen, Jeans und Schuhe zum Flicken geben (ja, hier werden Schuhe und Kleider noch geflickt, nicht einfach neu gekauft), Diesel mit Kanistern holen per Gratis-Chauffeurdienst von der Tochter der Besitzerin (zum Thema Diesel später mehr),Visumsverlängerung beantragen etc. Philip und David fertigten in mühsamer Handarbeit passgenaue Stabilisatorengummis an, da die alten hinüber waren. Ein gutes Schrauberteam. Der nette Alberto, der Besitzer des Platzes, stellte uns seine Chlütteriwerkstatt dafür zur Verfügung, wofür wir sehr dankbar waren.

 

Nebst diesen Erledigungen schlenderten wir auch durch Sucres Gassen, genossen ein Glace auf der Plaza, stürmten den Mercado mit unseren Einkaufstaschen und David und ich gönnten uns noch einen neuen Haarschnitt für je 3.-. Im Restaurant gingen wir voll ans Limit, indem wir uns eine Riesenplatte Sushi bestellten. Ilona studierte etwas weiter und bestellte sich etwas Bolivientaugliches und da Philip wegen seiner Dauererkältung das Bett hütete, ging er damit sowieso auf Nummer sicher. Natürlich bereuten David und ich unsere kulinarische Eskapade schon in der selben Nacht. Nach einem hässlichen Leidenstag war die Strafe dann aber schon wieder ausgesessen. Am letzten Tag in Sucre hiess es für Pilona, einen Flug buchen gehen, da unsere gemeinsame Reisezeit sich dem Ende nähert. Wir gönnten uns noch ein Nachtessen in einem Restaurant (diesmal bereute Ilona bald ihre Menu Wahl Spaghetti Carbonara) und ein Bierchen in einer Bar. 

 

Unser nächstes Ziel war Potosí. Dort wollten David und Pi eine Silberminentour im Cerro Rico machen. Die Fahrt auf der Suche nach einem Parkplatz war der reinste Horror. Dermassen enge Gassen, die trotz Parkverboten noch zusätzlich mit unzähligen Autos vollgestellt waren wurden uns zum Verhängnis. Prompt geschah es, dass wir ein geparktes Auto streiften. Ich habe den Abstand falsch eingeschätzt und schon war es passiert...Wir rupften dem (im Parkverbot geparkten) Auto die vordere Stossstange ab und verpassten ihm dazu noch einen fetten Kratzer mit der Camperkabine im Kotflügel. Scheisse... Wir parkten, schauten uns das Schlamassel an, drückten die Stossstange wieder an und machten uns auf die Suche nach dem Besitzer. Im Coiffeursalon und den angrenzenden Läden wusste niemand, wem das Auto gehört, alle sagten uns, wir sollen doch einfach weiterfahren, es sei ja „nur ein Kratzer“. Unglaublich, diese Bolivianer dachten wohl, wir seinen voll dämlich, so ehrlich zu sein und en Besitzer ausfindig machen zu wollen, da muss man am Schluss nur noch bezahlen...

 

Endlich kamen dann die Besitzer des Autos und hätten, wenn wir sie nicht darauf aufmerksam gemacht, den Schaden gar nicht bemerkt. Für David und Philip war es dann an der Zeit, auf die Tour zu gehen. Ilona und ich fuhren nach reichlichen Entschuldigungen und einer Erklärung, wie alles passiert war, mit dem Paar und dem geschädigten Auto zu einem Spengler, um abzuklären, wie hoch der Schaden in etwa ist. Umgerechnet 200.-, sagte er. Dann kam ich mit meinen Verhandlungskünsten (oder meinem sturen Kopf) ins Spiel. Ich handelte den Preis für die Autoreparatur bis auf 100.- runter, was dann schlussendlich ein zufriedenstellender Deal für alle Beteiligten war. Nach unseren Schätzungen, hätte ein ähnlicher Schaden in der Schweiz mindestens das zwanzigfache gekostet. Zurück beim Hägar schob ich dann den Hunderter rüber und die beiden bedankten sich von Herzen für unsere Ehrlichkeit und das Geld für die Reparatur. Unser Karmakonto, sowie unser Gewissen waren damit befriedigt und Ilona und ich brauchten nach dem Trubel unsere wohlverdiente Siesta, bis unsere Männer von der Tour zurück kamen. Zur Silberminentour berichtet nun David

David                                                          Silberminen Tour Potosí

Natürlich liessen Philip und ich uns die Besichtigung der Silberminen von Potosí nicht entgehen. Mit einem Guide, der vor seiner Karriere als Touristenführer selbst in den Minen gearbeitet hat, machten wir uns auf zum Cerro Rico. Zuerst fassten wir aber noch unsere Grubenausrüstung, welche aus einem Overall, Gummistiefeln und einer Stirnlampe bestand. Staub- oder Atemmasken suchten wir derweil vergebens. In weiser Voraussicht haben wir aber Baumwolltücher mitgebracht, um uns wenigstens behelfsmässig vor dem Staub schützen zu können.

Das üppige Silbervorkommen des Cerro Ricos wurde bereits 1545 von den spanischen Eroberern entdeckt. Mit der Ausbeutung des Berges wurde natürlich umgehend und im grossen Stil begonnen. Zu zehntausenden trieben die Spanier die Männer der umliegenden Dörfern in die Stollen und zwangen sie, sich darin zu Tode zu schuften. Potosí entwickelte sich durch diesen Silberboom mit 160 000 Einwohnern zur grössten Stadt von Amerika und zählte 1573 mehr Einwohner als Madrid, Paris oder Rom. Die Spanier zwangen dem Berg bis ins 18. Jahrhundert 46 000 Tonnen Silber ab. Kein Wunder wurde Potosí von den Erobern auch „die Stadt, die der Welt am meisten gegeben hat“ genannt. Für die Indígena war Potosí dagegen das Tor zur Hölle. Gemäss Schätzungen haben in den Silberstollen des Cerro Ricos 8 Millionen Indígena den Tod gefunden.

Im 18. Jahrhundert waren die grossen Silbervorkommen soweit erschöpft, sodass die Mienen von den Spaniern aufgegeben wurden. Ab dem 20. Jahrhundert wurde in den Minen Zinn entdeckt. Dieser Fund belebte die Minen erneut. Heute werden in den unzähligen Stollen wieder Silber, sowie Zinn abgebaut. Natürlich ist die Silberausbeute in keinster Weise mehr mit jener zur Zeit der Spanier zu vergleichen. Nebst zwei staatlich betriebenen Minen werden unzählige private Abbaustollen betrieben. Die Mineros schliessen sich in Kooperativen zusammen, bauen gemeinsam einen Hauptstollen und graben bzw. sprengen sich dann jeder für sich selbst durch den Berg. Gemäss unserem Guide sind zur Zeit ungefähr 15 000 Mineros in den Stollen tätig.

Bevor wir aber nun unsere Entdeckungstour in die Minen begannen, legten wir noch einen Stop beim Mercado de Mineros (Minenmarkt) ein. Dort kauften wir einige Säcke Cocablätter, Reinalkohol, Süssgetränke, einige Stangen Dynamit sowie Zündkapseln ein. Diese Geschenke brachten wir den Mineros als Dank zur Besichtigungsmöglichkeit mit.

 

Die Cocablätter werden von den Mineros in riesigen Mengen gekaut, damit sie die belastenden Schichten in den Minen, welche bis zu 16h dauern, überhaupt aushalten. Dem selben Zweck dient übrigens der 96% Reinalkohol. Diesen trinken die Mineros unverdünnt. Uns zog bereits ein kleiner Schluck den ganzen Rachen zusammen...

Mit dem Dynamit werden neue Stollen, in der Hoffnung auf weitere Silberadern zu stossen, gesprengt. Wird eine Ader gefunden, so wird diese dann mit Hilfe des Sprengstoffes in Transportgrösse gebracht. Eine für uns faszinierende Tatsache war, dass Dynamit und die Zündkapseln in Potosí frei erhältlich sind. Dies heisst konkret, dass Jeder und damit meine ich wirklich Jeden, in Potosí in einen Minenzubehör führenden Laden marschieren kann und sich so viel Dynamit, wie er zu tragen vermag, käuflich erwerben kann.

 

Schwer beladen mit Coca und Dynamit bestiegen wir dann die finsteren Stollen. Zuerst folgten wir dem Hauptstollen, sodass ein aufrechter Gang mit etwas Vorsicht noch problemlos möglich war. Später trafen wir dann auf einige Arbeiter, welche gerade dabei waren, neue Geleise für die Minenloren zu verlegen. Diese freuten sich über unsere Geschenke und liessen uns im Gegenzug etwas an ihrer Arbeit teilhaben. Als nächstes folgte der Besuch bei Tio, dem Schutzpatron der Mineros. Die streng katholischen Bolivianer beten in den Schächten nicht Gott, sondern eben Tio und Pacha Mama (Mutter Erde) an. Diese Tatsache ist auf die Zeit der spanischen Eroberer zurückzuführen. So fragten die versklavten Indígenas die Spanier, wo den nun die von ihnen gepriesene Barmherzigkeit ihres Gottes sei. Daraufhin erwiderten die Spanier, dass es unter der Erde in den Minen keinen Gott gebe. Diese Auffassung vermochte sich bis heute zu halten, sodass die Mineros vor Schichtbeginn, die unterirdische Kapelle aufsuchen, Tio und Pacha Mama Cocablätter, Reinalkohol und Zigaretten opfern und und diese im Gegenzug um Schutz während der gefährlichen Arbeit zu bitten. So opferten auch Philip und ich einige unserer Zigaretten, indem wir sie Tio in den Mund steckten und entzündeten und hofften doch sehr, dass der akut einsturzgefährdete Berg dank unserer Opfergaben für die nächsten Stunden noch halten wird. Anschliessend folgte der spannendste Teil der Besichtigung. Durch immer schmaler werdende Stollen bahnten wir uns unseren Weg immer tiefer ins Innere des Cerro Ricos. Mal kriechend und Mal über Bretter balancierend erreichten wir schliesslich die Silberabbaugebiete. Auf kleinstem Raum, man vermochte sich in diesem Tunnel nicht zu drehen und konnte sich nur kriechend fortbewegen, sprengen die Mineros Silberbrocken aus dem Fels und transportieren diese zurück zum Haupttunnel, wo sie auf Wage geladen werden. Unvorstellbar wie hart diese Arbeit sein muss. Uns fiel das Atmen bereits ohne Sprengstaub in der Lauft äusserst schwer. Nichts desto trotz liessen wir uns dann von unserem im Nachhinein doch etwas fahrlässigem Guide zu einem Wettrennen zurück an die Oberfläche überreden. So sprinteten wir durch die Felstunnels, über wacklige Balken und morsche Leitern hinauf. Die Staubige Umgebung und die Höhenlage von 4500 Metern über Meer, brachten uns gehörig aus der Puste.

Staubig und Müde kehrten wir nach diesem Eindrücklichen Erlebnis wieder zu Claudi und Ilona zurück und verliessen Potosí (ohne Dynamit) in Richtung Uyuni.  

Claudi                     Salar de Uyuni

Nach einer Nacht Wildcampen erreichten wir Uyuni. Schon seit Jahren freuten wir uns unglaublich darauf, den Salar de Uyuni, das weisse Meer, live zu sehen, zu befahren und zu erleben.

 

Hier noch einige Infos direkt aus dem Reise Know How Reiseführer:

Der Salar ist ca 160km lang und 135km breit, die Salzkruste differiert zwischen 2 und 7 Metern. Damit ist der Salar de Uyuni die grösste Salzfläche der Erde. Ursprünglich gehörte der Salar zum gewaltigen Andenbinnenmeer „Lago Minchíns“. Als der Ursee vor Jahrmillionen austrocknete, blieben abflusslose Altiplanoseen und Salare zurück.

 

Vor der Tour auf dem Salzsee gab es noch einiges zu Erledigen. Eigentlich lässt man seinen Unterboden zum Schutz des angriffigen Salzes mit Dieselöl besprühen, da wir aber eine Zentimeterdicke Dreckschicht unter Hägar kleben hatten, reichte uns diese Schicht zum Schutz vor den Rostteufeln. Wir mussten einkaufen, Abfallholz beim Schreiner besorgen (wir hatten ein schönes Lagerfeuer auf dem Salar geplant), Diesel tanken, Wassertank füllen etc. Nach einigen Stunden Vorbereitung konnte es losgehen. Wir fuhren zur Auffahrt des Salars und besuchten als erstes einmal das Dakar Monument. Seit einigen Jahren findet die berühmte Dakar Ralley nämlich nicht mehr in Afrika, sondern in Südamerika statt und die Route führt jeweils auch über den den Salar de Uyuni. Neben dem Dakar Monument stecken Flaggen verschiedenster Länder im Salz, was ein geniales Bild abgibt. Nach den ersten Fotos heizten wir dann über die unendlich scheinende Salzkruste. Inbegriffen war natürlich, dass David während der Fahrt aus dem Fenster krabbelte und von der Motorhaube aus das Steuer weiterführte. Das braucht wohl keine weitere Ausführungen. Je weiter wir uns vom „Festland“ entfernten, desto weisser und leuchtender wurde die Salzkruste und die beeindruckenden Hexagramme im Salz kamen richtig zur Geltung. Wir konnten es kaum fassen, endlich hier zu sein, unbeschreiblich beeindruckt waren wir. Wir richteten uns irgendwo auf dem Salar häuslich ein, packten unsere Stühle und den Tisch aus und gönnten uns einen Apéro in der weissen Wüste. Nach dem gewaltigen Sonnenuntergang machten wir unser Feuer, welches alles andere als entspannend war. Das Salz spickte uns brockenweise um die Köpfe, während das Feuer brannte. Als sich dann endlich eine dicke Ascheschicht unter dem Feuer gebildet hatte, wurde es auch entspannter und unsere Salarparty mit Feuer, Musik und Bier kam in volle Gänge! Ein herrlicher Abend!

 Zum Katerfrühstück bzw. zMittag gab es dann leckere Spaghetti Napoli, gekocht von Pilona. Nach dem neuen Energieschub zogen wir weiter zur Isla Incahuasi, einer aus versteinerten Korallen bestehende und mit Riesenkakteen bewachsene Insel inmitten des Salzsees. All die unzähligen Touren kommen mit ihren gefüllten Jeeps hierher und dementsprechend überlaufen ist die Insel auch mit Touristen. Daher stellten wir uns an die andere ruhige Seite der Kakteeninsel. Kaum hatten wir parkiert und uns mit der Kamera den Kakteen genähert, kamen auch schon die ersten Parkwächter angaloppiert, um den Parkeintritt zu kassieren. Pfff, dann lassen wir es halt bleiben. Wir verzogen uns vorerst zurück zum Hägar und machten unsere erste Salar Fotosession. Wegen der unendlich weiten Salzfläche eignet sich der Salar nämlich perfekt, um perspektivisch lustige Fotos zu machen. Nachdem die ersten Kameraakkus verbraucht waren, kurvten wir etwas um die Insel herum, um einen windstillen Platz zu finden. Gar nicht einfach, schlussendlich landeten wir wieder am selben Platz. Innerhalb eines Steinmäuerchens am Rand der Insel richteten wir unser Esszimmer ein und schlemmten das von Pilona mitgebrachte Fondue. Was für ein Genuss an diesem speziellen Ort! Im Schutze der Dunkelheit, wo wir sicher vor den Parkwächtern waren, kraxelten wir den Hügel hoch bis zum höchsten Punkt der Insel, von wo aus wir den riesigen leuchtenden Mond bestaunten.  

 Am nächsten Morgen stellten wir in aller Frühe einen Wecker, um den Sonnenaufgang schauen zu können. Kurz nach 5.00 standen Philip, Ilona und ich auf, und kletterten erneut zwischen den Riesenkakteen hoch, um eine perfekte Aussicht für den Sonnenaufgang zu haben. Atemberaubend war es und trotz der Kälte hielten wir es aus, bis die Sonne am Himmel stand. Unten angekommen, stand doch prompt wieder der Parkwächter mit erhobenem Finger vor uns und hielt uns eine Standpauke. Ups, erwischt. Wir entschuldigten uns und versprachen ihm, später dann den Eintritt halt doch bezahlen zu kommen. Beleidigt stampfte er davon und schien uns kein Wort zu glauben. Den Vormittag verbrachten wir erneut mit einer weiteren Fotosession (langsam waren wir zu Profis mutiert), bis der Wächter erneut kam. Wir wimmelten ihn ab mit einem erneuten Versprechen, gleich den Eintritt zu bezahlen, sobald alle Fotos im Kasten sind und wir sowieso ins Auto hocken würden. Bevor wir uns dann vom Acker machten, gingen wir halt doch noch den Eintritt für die Insel bezahlen, danach fuhren wir wieder zum Dakar Monument, da Pilona dort ihre Kamerahülle liegen gelassen hatten. Da trafen wir auf zwei Veloreisende aus der Schweiz/Österreich und da wir unsere nächste Nacht im Salzhotel verbringen werden, luden wir sie ein, im Hägar zu schlafen. Wir machten uns auf den Weg zum Salzhotel „Luna Salada“. David schenkte mir zum Geburtstag eine Nacht in diesem speziellen, komplett aus Salz gebauten Hotel. Philip und Ilona gefiel die Idee natürlich auch und auch sie buchten gleich auch eine Nacht im Salzhotel. Wir stürmten zuerst einmal den Whirlpool und anschliessend das leckere zNachtbuffet. Unterdessen waren auch Sabina und Marcel, die zwei Radler angekommen und assen mit uns zNacht. Sie freuten sich sehr über die für sie spezielle Unterkunft Hägar, während wir uns über unser Salzzimmer mit Panoramafenster auf den Salar freuten.

Zugfriedhof Uyuni

Nach den Tagen auf dem Salar de Uyuni gab es wieder einiges zu erledigen. Autowäsche, diesmal mit Dieselöl Unterbodenschutz (dafür sorry, Pacha Mama), Dieselkanister kaufen, Wasser, Bier und Diesel nachtanken, erneut Holz und Essen besorgen etc. Die nächsten Tage werden wir nämlich auf der Lagunenroute unterwegs sein. Da es keinerlei Versorgungsmöglichkeiten auf dem Weg gibt, mussten wir dementsprechend eindecken. Die Nacht vor dem Start der Lagunenroute verbrachten wir an einem weiteren sehr speziellen Ort, nämlich auf dem Zugfriedhof von Uyuni. Hunderte ausrangierte Loks und Zugwagen rosten dort friedlich vor sich hin. Ein toller Schlafplatz, wo wir natürlich wieder unzählige Fotos knipsten.

Lagunenroute

Der erste Teil der Lagunenroute war ziemlich herausfordernd, sowohl für David als Fahrer, als auch für Hägar. Der 4x4 und vor allem die Bodenfreiheit waren das A&O bei diesem ersten Teil. Nachdem der happigste Streckenabschnitt geschafft war, kamen wir auch schon an den ersten Lagunen vorbei. Es wimmelte von rosaroten Flamingos, drei verschiedene Arten tummeln sich in den Lagunen der Anden. Die Landschaft war faszinierend. Da diese schwer zu beschreiben ist, könnt ihr euch selbst ein Bild anhand der Fotos machen. Um sich in etwa eine Vorstellung von der Lagunenroute machen zu können, muss man vielleicht noch folgendes wissen:

 

Die Lagunenroute gilt als eine der spektakulärsten Hochrouten führt über ca. 450 km von Uyuni in Bolivien nach San Pedro de Atacama in Chile. Da diese 450km über Wellblech-, Sand- und teilweise üble Felspisten führt, nimmt die Strecke ca. 4-5 Tage in Anspruch. Die Route verläuft stetig in einer Höhe von 4000-5000müM, so dass die Temperaturen dementsprechend tief bis eisig sind und es teilweise (oder eigentlich immer) sehr stark windet.

 

Für die erste Nacht entdeckten wir ein Plätzchen neben einem Hügel, wo es ein halb aufgeschichtetes Steinmäuerchen gab. Philip und David waren fleissig und zogen die Steinmauer fast so professionell wie einst die Inkas in die Höhe, sodass wir einen Schutz für den gnadenlosen Wind hatten. Wie schon auf dem Salar, musste der erste Tag auf der Lagunenroute gefeiert werden. Grillieren, alles Holz vom Schreiner verfeuern, Musik und Margaritas. Margaritas auf 4500müM sind übrigens eine etwas doofe Idee.  

 Am nächsten Tag begegneten wir auf unserer Fahrt unzähligen Tour Jeeps. Ja, die Wildnis und Abgeschiedenheit sind auf dieser Strecke dank all den Touren längst vorbei. Wir kamen am „Arbol de Piedra“, dem wie ein Baum aussehender Stein, vorbei und kamen zur wunderschönen roten Lagune „Laguna Colorada“. Ab hier ist nun „Naturschutzgebiet“. Nachdem wir die Aussicht auf die schöne Lagune mit 100 anderen Touris genossen hatten, wollten wir uns auf einen ebenen Park- bzw. Schlafplatz stellen. Einen Schlafplatz mit einer solchen Aussicht hat man schliesslich nicht jeden Tag. Gleich wurden wir verjagt und behelligt, dass in diesem Nationalpark wild campen verboten sei. Unser weitere Weg führte zwangsweise durch die Eingangsschranke ins Nationalpark Gebiet. Nachdem wir den Eintritt beglichen hatten, wurden wir auch dort ermahnt, dass man nicht mehr wild campen darf auf der gesamten Lagunenroute, weil immer wieder Abfall liegengelassen wurde. Dafür, liebe Vorgänger, herzlichen Dank. Wir mussten uns für die nächste Nacht neben das Hotel stellen. Da wir sowieso alles Holz schon wieder am ersten Abend verfeuert hatten und es draussen schweinekalt war, war es jedoch halb so schlimm.

Laguna Colorada
Laguna Colorada

Am nächsten Tag fuhren wir zum „Geyser Sol de Mañana“, welches meiner Meinung nach eher einer Fumarole als einem Geysir glich, aber dennoch schön anzusehen war. Bevor unsere Reise weiter ging, gab es zuerst einmal einen Besuch bei dem wohl höchst gelegenen Zollhäuschen unserer Reise auf 5033müM. Da wir gehört und gelesen hatten, dass die Zollstelle an der Landesgrenze oft nicht besetzt ist und oft Reisende den weiten Weg über die Piste zu diesem Posten retour fahren müssen, erledigten wir unsere Autoausreise also bereits hier. Die netten Zöllner schienen sich riesig über Kundschaft zu freuen, plauderten eine Weile mit uns und entliessen uns dann mit einem herzlichen „qué les vaya muy bien, suerte, buen viaje...etc.“, was so viel heisst wie „macht es ganz gut, viel Glück und gute Reise“, ausserdem fügte der eine noch hinzu, wir sollen doch wieder einmal nach Bolivien zurück kehren.

 

Nachdem Hägars Ausreise für den nächsten Tag bestätigt war, gönnten wir uns ein Bad in der Thermalquelle „Termales de Chalviri“. Ein schönes Wasserbecken im Freien, am Rande der gleichnamigen Lagune. Wir kamen gerade rechtzeitig, denn als wir nach dem Bad zMittag assen, stürmen zahlreiche Tourgruppen das kleine Becken, in welchem wir vor Kurzem noch zu viert herumgeschwadert sind. Weiter ging es zu den Lagunen „Laguna Blanca“ und „Laguna Verde“. Das Wasser der Laguna Verde verfärbt sich jeweils um die Mittagszeit herum türkisgrün. An dieser Lagune wollten wir den Nachmittag und die Nacht verbringen. Lange kurvten wir umher, um einen „windstillen“ Platz zu finden. Unmöglich. Trotzdem fanden wir einen Stellplatz, der uns gefiel. Nach Pi's legendärer Bolognese schauten wir im windstillen Hägar einen Film. Es ging im Film gerade um eine Entführung in der Wüste, als wir herannahende Autos hörten. Stimmen, Taschenlampenkegel, dann lautes Poltern an unserer Türe. Wir sollen sofort aufmachen, schrien die Leute da draussen. Wir wollten zuerst aus dem Fenster mit ihnen kommunizieren, diese waren aber wegen der Kälte und dem Kondenswasser festgefroren. Wieder schrien die Leute, dass wir sofort aufmachen sollen, sie seien von der „Policía Narcotraficante“, also der Drogenschmuggler Polizei. Das kann ja wohl jeder sagen und wir dachten, jetzt ist es so weit und wir werden überfallen. David sagte mehrmals, dass er zuerst einen Ausweis sehen will, bevor er öffnet, während diese Rambos an der Türe herumhebelten und herum schrien. Irgendwann hielt einer dann einen Ausweis hoch und David öffnete. Gleich wurde er heraus gerissen, Philip ebenfalls. Die Beiden standen inmitten von ca. 12 in Tarnanzügen gekleidete Typen, die mit Maschinengewehren bewaffnet waren. Ilona und ich wussten gar nicht, was machen, fast hätte ich zum Bärenspray gegriffen... Es stellte sich heraus, dass es wirklich eine Gruppe der Drogenschmuggler Polizei ist, welche noch nervöser zu sein schienen, als wir selbst. Während David und Pi draussen erklärten, dass wir nur harmlose Touristen seien, stampfte eine der Kampfweibern in Hägar rein und riss mal alle Kästchen auf. Als ich fragte, was sie da genau mache und wir zur Antwort bekamen, Drogen suchen, sagte ich ihr, dass sie lange suchen könne. Ob sie denken, dass eine Drogenschmuggler Bande so dumm wäre und gleich an der Bolivianisch-chilenischen Grenze in einem Camper übernachten würden... Irgendwann waren sie dann überzeugt, die falsche Bande angegriffen zu haben, sagten uns, dass es hier gefährlich sei und zogen, nachdem sie uns trotzdem die Erlaubnis zur Übernachtung gegeben hatten, wieder ab. Das war vielleicht eine nervenaufreibende letzte Nacht in Bolivien...Da gab es nur eins, schnell weiter nach Chile!!!

Die atemberaubende Lagunenroute beendeten wir am nächsten Tag mit dem Grenzübertritt nach Chile in San Pedro de Atacama. Von den chilenischen Grenzen haben wir schon sehr viele Horrorgeschichten gehört. Man darf keinerlei rohe tierische Produkte, ebenso wenig rohes Gemüse und Früchte, Holz, Honig, Samen oder Nüsse etc. über die Grenze bringen. Wir hörten von den fiesesten Kontrollen, bei denen während 4h der ganze Camper auseinandergenommen worden war und dass viele Zöllner auch gerne mal etwas konfiszieren würden, was sie gerade brauchen würden... Wir waren aufs Schlimmste gefasst, hatten bei der Kontrolle jedoch Glück. Das Wichtigste ist, beim Deklarationszettel anzukreuzen, dass man etwas Verbotenes mitführt, was man dann abgeben kann. Falls man nein ankreuzt und sie trotzdem etwas finden, gibt es eine dicke Busse. Honig, Leinsamen und Kräuter waren gut versteckt (wir kaufen doch nicht nach jedem Grenzübertritt neue Küchenkräuter, Honig und solche Sachen) , die Eier gekocht und die obligate Zwiebel zum Abgeben bereit. Der nette Kontrolleur stieg nicht einmal in den Hägar rein, sondern beantwortete geduldig meine doofen Fragen wie: darf man Reis? Darf man Tee? Darf man dies und jenes? Und nahm die Zwiebel entgegen. Als ich fragte, ob er noch reinschauen möchte, antwortete er mir, dass er mir vertrauen würde. Ok, dass es so easy werden würde hätte ich nicht gedacht. Hoffen wir in Zukunft weiterhin auf solche lockeren Kontrollen.

Aber bevor es nach Chile geht, hier noch einige Dinge zu Bolivien. Von vielen Reisenden wurde uns erzählt, dass die Bolivianer eher unfreundliche Leute seien, das Essen schlecht und die Wasserqualität noch schlechter sei und es nirgends Gemüse, sondern nur Früchte zu kaufen gäbe. Ich kann da zu 90% nur widersprechen. Dass die Wasserqualität total beschissen ist, kann ich nach diversen Rebellionen seitens meiner Verdauung nur bestätigen.

 

Die Bolivianer begegneten uns eigentlich immer sehr freundlich, sind aber meiner Meinung nach eher zurückhaltende Menschen, sofern sie nicht direkt angesprochen werden. Vielleicht mag das nach Ländern wie Chile und Argentinien, wo wir die Menschen bis jetzt (wir befinden uns ja bereits in Patagonien) als sehr extrovertiert, aufgestellt und gesprächig erlebt haben, so wirken, aber wir hatten dennoch einen guten Eindruck von der Mehrheit der Bolivianer.

Gemüse gab es zwar nicht an allen Strassenständen, jedoch in Hülle und Fülle an jedem Mercado und das Essen hat uns eigentlich jeweils auch geschmeckt. Sogar das giftige Sushi, bevor es sich rächte:-).

Dann noch zum Diesel... Seit Evo Morales an der Macht ist, gibt es verschiedene Diesel- und Benzinpreise für Einheimische und für Ausländer. Der Dieselpreis für Einheimische liegt bei umgerechnet ca. 50-60 Rappen/Liter und für Ausländer bei ca. 1.20 Franken/Liter. Andere Reisende haben uns teilweise berichtet, dass es sehr schwierig sei, an günstigen Diesel zu kommen und wenn, dann nur mit Kanistern und man manchmal sogar überhaupt keinen Diesel bekommt. Wir bekamen den Diesel meist direkt ab Pumpe für den Einheimischenpreis und gaben dafür jeweils ein kleines Trinkgeld und verzichteten auf den Beleg. Dies funktionierte vor allem im Norden des Landes. Als ich in Sucre die Besitzerin des Campings gefragt hatte, bei welcher Tankstelle man günstig Diesel bekommt, pfiff sie gleich ihre Tochter mit dem Auto daher und kam mit mir, mit Kanistern bewaffnet, mit zur Tankstelle. Das wäre eigentlich nicht nötig gewesen, aber sie wollte anstatt mir nur zu antworten, gleich dafür sorgen, dass wir auf jeden Fall günstigen Diesel bekommen würden. Ansonsten handelten wir den Preis meist auf ca 70 Rappen hinunter. Einzig in Uyuni und kurz vor der Lagunenroute mussten wir mehr als bisher hinblättern, da sie dort genau wissen, dass man so oder so volltanken muss. In Uyuni mussten wir ca. 90 Rappen und vor der Lagunenroute 1.- Fanken pro Liter bezahlen. Das waren die einzigen zwei „teuren“ Ausnahmen. Hauptsache nie den vollen Ausländerpreis. Also liebe Reisende, wenn euch die Reise durch Bolivien noch bevorsteht, die Suppe wird nie so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.

Uns hat Bolivien wahnsinnig gefallen. Vom amazonischen bunten Dschungel bis zu in ewigem Eis gehüllten 6000ern und vor allem mein persönliches Highlight, der Salar de Uyuni, hat das Land eine Menge zu bieten. Wir werden das Land in guter Erinnerung behalten und allen wärmstens weiterempfehlen! So, nun weiter zum Abschluss des Reiseberichts.

San Pedro de Atacama

In San Pedro de Atacama verbrachten wir unsere letzten gemeinsamen Tage mit Ilona und Philip. Wir genossen den schönen Camping, gingen Reiten (Philips Premiere übrigens hoch zu Ross), degustierten uns durch die verschiedenen chilenischen Weine und die berühmten chilenischen Empanadas. Wir trafen auf weitere Reisende aus der Schweiz (Mickie und Peter aus Thalwil) und auf Matze und Verena aus München, die David und ich bereits aus Ecuador kannten und hatten einen lustigen Abend zusammen. Dann kam der letzte Abend mit Pilona. Ein letztes Mal gemeinsames Lagerfeuer, Musik und Lachen, sogar ein Konzert auf der Plaza lag in der letzten Nacht noch drin, bevor sich unsere Wege wieder trennen würden. Ilona und Philip werden sich via Uyuni, La Paz und Panama City nach Kuba aufmachen und anschliessend Hawaii, Fiji, Neuseeland und Südafrika bereisen. Wer gerne auf ihrer Homepage ihre Blog Version von Bolivien nachlesen oder ihre weitere Reise mitverfolgen möchte, kann das auf www.piilona.jimdo.com tun.

 

Wir hatten eine grossartige Reisezeit zusammen. Es war für uns eine riesige Freude, mit euch Peru und Bolivien, zwei unglaublich vielfältige und spannende Länder, zu bereisen. Geniesst eure Zickzacktour um die Welt in vollen Zügen, hasta luego chicos;-)

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Kommentare: 3
  • #1

    Tanti (Mittwoch, 04 Januar 2017 13:56)

    läck, was ihr alles erlebt!! es ist spannender zu lesen, als ein Roman! Für die zu Hause gebliebenen und nicht weit gereisten ist es schön, so vieles von euch mitzuerleben und ein wenig daran teil zu haben! Herzlichen Dank für eure grosse Arbeit, die ihr auf euch nehmt!
    Hebet Sorg zueinander und geniesst die Tour weiterhin, auch dann mit Paul+ Susi!!

  • #2

    Tanja (Dienstag, 17 Januar 2017 09:59)

    Hey ihr zwei Gringos :-)
    Lääääck ez bini au mol fertig worde mit läsä - en riesige Blogitrag isch jo da worde!! Uh cool! Aso diä Föteli vom Salzsee sind jo voll luschtig worde!!! :-)
    Liäbi Grüess Tanja

  • #3

    Luis (Sonntag, 26 November 2017 18:47)

    Wie viele Tiere ihr gesehen habt! :D

    Liebe Grüße aus meinem Urlaub in Schenna