Peru Teil 1

David

Huanchaco

Die Einreise ins 15. von uns bereiste Land ging angenehm, unkompliziert und relativ schnell vonstatten. Beim Erfassen der Autodaten klemmte sich Claudi sogar noch selbst hinter den Schreibtisch und nahm dem freundlichen Grenzbeamten das mühselige eintippen unserer Nachnamen ab.

 

Die erste Nacht in Peru verbrachten wir an einer Tankstelle in der Sandwüste, etwas ausserhalb der Grossstadt Piura. Frühmorgens weckte mich Claudi, und teilte mir mit, dass jemand draussen sei, und sich an Hägar zu schaffen mache, zumal ein starkes Rütteln und schaukeln wahrzunehmen war. Nach nur wenigen Sekunden klang das Geschaukel wieder ab, um nach einigen Sekunden erneut sogar noch kräftiger wiederzukommen. Eine kurze halbschlafbeeinflusste Lageanalyse liess uns zu dem Schluss kommen, dass es sich eigentlich nur um ein Erdbeben gehandelt haben kann.

Am nächsten Tag bestätigte sich dann unserer Ahnung. Peru wurde in den frühen Morgenstunden von einem Erdbeben der Stärke 6.2 erschüttert. Glücklicherweise kamen bei dem Beben keine Menschen zu Schaden.

 

Gut durchgerüttelt machten wir uns am nächsten Morgen auf nach Huanchaco. Die Fahrt dorthin führte uns durch unendlich weite Sandwüsten. In Huanchaco trafen wir wieder auf Jenny und Gaven. Das Wiedersehen feierten wir natürlich mit dem peruanischen Nationalgetränk Pisco Sour. Pisco ist ein Grappa ähnlicher Schnaps, welcher für einen Pisco Sour mit geschlagenem Eiweiss, Zucker und Limettensaft gemixt wird.

 

Etwas ausserhalb von Huanchaco besichtigten wir Ruinenstätten der „Moche Kultur“. Die Moche besiedelten vom 1. bis zum 8. Jahrhundert n.Chr. die Küstenregionen Nordperus. Mit den beiden Bauten Huaca del Sol und Huaca de la Luna (Sonnen- und Mondpyramide), errichteten die Moche die beiden grössten Bauten des alten Südamerika. Um uns nicht gleich wieder zu „Ruin-ieren“ (in Peru gibt es eine Vielzahl von Ausgrabungsstätten zu besichtigen) entschieden wir uns, uns nur auf eine der mehreren Ausgrabungsstätten in der Region zu konzentrieren. So nahmen wir an einer interessanten Führung rund um die Sonnenpyramide teil. 

Cañon del Pato

Unserer nächstes Reiseziel war die Cordillera Blanca, eine in den nördlichen Anden gelegene Gebirgskette mit über 50 Bergen. Die Fahrt führte uns weg vom Meer durch den Cañon del Pato (Entenschlucht). Was dieser Canyon aber mit Enten zu tun hat, erschloss sich uns nicht wirklich, zumal wir auf der ganzen Wegstrecke keine Enten sichteten. Nichts desto trotz war die Fahrt durch den Canyon spektakulär. Die Strecke wurde einst als Eisenbahnlinie angelegt. Nach Einstellung des Eisenbahnbetriebes wurden die Schienen entfernt und für Fahrzeuge freigegeben. Dementsprechend schmal fällt die Fahrspur denn auch aus. Da die Strasse dennoch in beide Richtungen befahrbar ist, ist ein permanentes Hupen, um entgegenkommende Fahrzeuge auf einem aufmerksam zu machen, unerlässlich. Vor allem in den 35 Tunnels ist entsprechende Vorsicht geboten. Nach kurvenreicher Fahrt erreichten wir Caras, von wo aus wir eine mehrtägige Wanderung durch die Cordillera unternehmen wollten.

Cordillera Blanca

 

Während den Vorbereitungen für unsere Viertages-Wanderung entlang des Santa Cruz Tracks, trafen wir auf Penny und Dane aus Vancouver. Gemeinsam mit ihrem Hund Wyatt sind sie unterwegs in Richtung Argentinien. Da sie die gleiche Wanderung wie wir geplant haben und wir uns von Anfang an super verstanden, beschlossen wir, die Wanderung gemeinsam zu unternehmen.

Frühmorgens machten wir uns am nächsten Tag auf die Suche nach einem Fahrer, der uns nach Cashapampa, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, chauffiert. Nach kurzer Suche, fanden wir dann auch einen Fahrer, der uns für einen angemessenen Preis über die kurvige Piste fuhr. Unterwegs quetschten sich immer mehr Peruaner ins Auto, sodass wir schlussendlich acht Personen plus Hund in einem kleinen Auto waren.

Die Wanderung führte uns an einem Bach entlang immer weiter hoch ins Gebirge. Da die meisten Touristen für diese Tour Packesel mieten, damit sie ihr Gepäck nicht schleppen müssen, kamen uns immer wieder eine Reihe Esel entgegen. Ein verlockendes Bild, wenn man in diesen Höhenlagen schwerbeladen bergauf wandert, aber das können wir auch ohne Lasttiere. Gegen Abend richteten wir unseren ersten Schlafplatz auf 3900m.ü.M ein, entzündeten ein kleines Lagerfeuer mit dem nur spärlich vorhandenen Holz und zogen uns daher schon bald frierend in unsere Zelte zurück.

Der zweite Wandertag führte uns immer tiefer in die Kordilleren hinein. Unterwegs entschieden wir uns noch für einen anstrengenden Abstecher zu einer Gletscherlagune. An diesem atemberaubenden Ort machten wir Mittagspause und konnten sogar noch beobachten, wie sich riesige Eismassen vom Gletscher lösten und in die Lagune stürzten. Unser zweites Nachtlager errichteten wir auf 4200m.ü.M. Erneut trieb uns der Schneeregen und die Kälte wieder früh ins Zelt.

Am dritten Tag stand uns der Aufstieg zum auf 4800m.ü.M gelegenen Punta Union, dem höchsten Punkt unserer Wanderung bevor. Das schwere Gepäck und die Höhe forderten dann auch ihren Tribut und wir erreichten verschwitzt aber zufrieden den Gipfel. Bis anhin führte unser Weg vom auf 2800m.Ü.M gelegenen Cashapampa fast nur aufwärts, so freuten wir uns nun, den Abstieg vor uns zu haben. Für die dritte Nacht fanden wir ein schönes Plätzchen am Fluss. Da genügend Feuerholz vorhanden war und das Wetter uns auch endlich mal in der Nacht gutgesinnt war, sassen wir noch lange ums Feuer, während sich Wyatt, der Hund, schlotternd in Pennys Schlafsack im Zelt verzog. Die letzte Wanderetappe führte uns nach Vaquería, der Endpunkt der Wanderung. Von hier aus fuhren wir mit einem Collectivo (Sammelbus) zurück nach Caras. Nach vier Stunden holpriger Fahrt über Bergpisten kamen wir schliesslich wieder in Caras an. Natürlich feierten wir die grossartige Wanderung mit einem feinen Essen.

 

Auf dem Camping trafen wir dann auch wieder einmal auf Anita und Roger, welche in der Zwischenzeit in Caras angekommen sind.

Die kalten Nächte während der Wanderung forderten ihren Tribut. Claudi wurde von einer hartnäckigen Erkältung geplagt. Während sie sich auskurierte, verbrachte ich gemütliche Tage mit Anita und Roger.

 

Puya Raymondii

 

Von spektakulärer Bergkulisse umgeben, fuhren wir weiter durch die Cordillera Blanca. In Yungay legten wir einen Zwischenstop ein. Das Städtchen wurde 1970 durch einen gewaltigen Bergsturz vollständig von Geröll und Eis begraben. Hervorgerufen durch ein starkes Erdbeben, lösten sich grosse Teile der vergletscherten Nordwestflanke des Huascarán Massivs, der mit 6768m höchsten Erhebung Perus. 50 Millionen Kubikmeter Eis, Schlamm und Gestein donnerten ins Tal. Dabei verloren mehr als 70'000 Menschen ihr Leben. Lediglich der etwas höher gelegene Friedhof blieb verschont. So überlebten nur 93 Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe auf dem Friedhof aufhielten. Heute zeugen nur noch einige Mauerreste und ein mit Gestein gefülltes Autobuswrack von dem Unglück.

 

Unser Tagesziel war der Nationalpark „Puya Raymodii“. Hier wachsen eindrückliche Riesenbromelien. Diese mit der Ananaspflanze verwandten Riesengewächse können bis zu 10 Meter hoch werden. Zu unserem Glück, standen gerade einige der eindrücklichen Pflanzen in der Blüte. Während einer Wanderung durch die Bromelien bestaunten wir diese nur an zwei Orten auf der Welt vorkommenden Pflanzenriesen.

In dieser unglaublichen Umgebung parkierten wir Hägar, umgeben von Bromelien und Gletschern für die Nacht.

 

Am Morgen stellte ich fest, dass sich unter Hägar eine Lache mit Bremsflüssigkeit gebildet hat. Schnell konnte ich einen Riss im Dichtungsring des Bremsflüssigkeitstanks feststellen. Sch***** so etwas muss natürlich mitten im Nirgendwo auf 4250m.ü.M passieren. Notdürftig dichteten wir den Tank ab und füllten die Bremsflüssigkeit nach. Glücklicherweise hatten wir noch genügend Bremsflüssigkeit in Reserve. Den Flüssigkeitsstand immer wieder kontrollierend, fuhren wir zurück nach Huaraz. Die einzige grössere Stadt weit und breit. So machten wir uns auf die Suche nach einer Ersatzdichtung. Nach längerer Zickzackfahrt fanden wir einen Autoersatzteilladen, welcher zwar eine riesige Sammlung von Dichtungsringen hatte, unserer aber natürlich nicht zu finden war. So entschieden wir uns nach einigem Abwägen, die Dichtung bestmöglich zu reparieren und den Weg bis nach Lima unter die Räder zu nehmen. Mit einem Fahrradschlauch und Dichtungsband, Kabelbindern und etwas Kreativität, gelang es Claudi und mir schliesslich, den Tank fast Dicht zu bekommen, sodass wir die Fahrt von fast 4200m.ü.M auf Meereshöhe fast Sorgenfrei in Angriff nehmen konnten.

 

Erst Abends erreichten wir das Naturreservat Lomas de Lachay. Eine mitten in der Sandwüste gelegenes Naturparadies. Durch den ständigen Nebel gedeihen und wachsen hier unzählige Blumen und Pflanzen. 

Lima

 

Unsere erste Aufgabe in Lima war natürlich die Suche nach einer Dichtung für den Bremsflüssigkeitstank. Unsere erste Anlaufstelle war die Ford Vertragswerkstatt. Hier wurde uns mitgeteilt, dass sie das Ersatzteil wohl bestellen können, dieses aber nur in Kombination mit der Flüssigkeitspumpe lieferbar sei. Ausserdem hätte das Ersatzteil eine Lieferfrist von mindestens zwei Monaten...

Also hiess es für uns weitersuchen. Tapfer bahnten sich Hägar seinen Weg durch den chaotischen Grossstandverkehr. Nach einigem Suchen fanden wir denn auch einen Mechaniker, der uns prompt mitteilte, dass er das besagte Ersatzteil an Lager habe. Leider brachte aber auch ein erneutes Durchsuchen der hunderten verschiedenen Occasions-Dichtungen, die er an Lager hatte, keinen Erfolg. Als der Mech aber seinen Angestellten mit unserer Dichtung in der Hand losschickte, kam dieser nach ungefähr einer Stunde dann wirklich mit der Richtigen Dichtung zurück! Und endlich waren alle undichten Stellen wieder komplett dicht.

Den nächsten Tag nutzten wir und erkundeten die Grossstadt, die vor allem kulinarisch viel zu bieten hat. So assen wir uns durch die moderne Millionenstadt, unternahmen eine Stadtrundfahrt und genossen das Gewusel.

Halbinsel Paracas

 

Nach dem Grossstadtrubel fuhren zur Paracas Halbinsel. Hier Campten wir mitten in der Wüste und genossen nochmals etwas die Nähe zum Meer. Da uns unsere Route nun weg vom Pazifik ins Hochland von Peru und anschliessend nach Bolivien führen wird, werden wir wohl nicht so bald wieder Salzluft zu riechen bekommen. 

Nasca

 

Nebst der Besichtigung des Machu Picchu war für uns ein Besuch der Nasca Linien ein Fixpunkt unserer Perureise. Die Nasca Linien sind riesige Geoglyphen (Scharrbilder). Auf einer Fläche von über 500km² sind bis zu 20km lange Linien, Dreiecke, trapezförmige Flächen sowie Figuren in der Grösse von zehn bis 100 Metern zu sehen. Unter anderem sind Abbildungen von Vögeln, Walen, Menschen und Affen ersichtlich.

Entstanden sind die Bilder durch Entfernung der obersten Gesteinsschicht. Die Linien sind meist nur wenige Zentimeter tief in den Boden geritzt und wurden zwischen 800 und 600 v. Chr. angelegt.

Es existieren unzählige Theorien zur Entstehung der Linien.

Die deutsche Forscherin Maria Reiche studierte die Linien über Jahrzehnte. Reiche deutet sie als einen riesigen Kalender, in Kombination mit agrikulturellen, astronomischen und religiösen Bedeutungen. So ist ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Richtungen einiger Linien und den Sonnenwendepunkten festzustellen. Die Tierfiguren werden als Pfade für Zeremonien gedeutet, auf denen man Opfergaben hinterlegte. Eine weitere Theorie meint, in den Linien eine Landschaftskarte unterirdischer Wasserströme zu sehen.

Erich von Däniken deutet in den Nasca Linien jedoch eine Kommunikationsform mit ausserirdischem Leben .

 

Ob nun Landebahn für Ausserirdische oder Landschaftskarten, liessen wir es uns nicht nehmen, die Nasca Linien aus der Luft zu betrachten. Claudi schenkte mir den Rundflug als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Erst in entsprechender Höhe, sind die Figuren eindeutig zu erkennen. Der Rundflug war eindrücklich und trotz etwas flauem Magen aufgrund der eng geflogenen Kurven ein tolles Erlebnis.

Cementerio de Chauchilla

 

Einen sehr speziellen Schlafplatz fanden wir etwas ausserhalb von Nasca auf dem Mumienfriedhof Chauchilla. Die Toten, die hier beigesetzt wurden, liegen seit ungefähr 1000 Jahren hier und stammen wahrscheinlich aus der Nasca Kultur. Das trockene Wüstenklima trägt dazu bei, dass sich die Mumien noch immer in einem sehr guten Zustand befinden. Da immer wieder Grabräuber diese Ruhestätte plünderten, wurde die Gegend stark verwüstet und die Knochen wild verstreut liegen gelassen. Einige der Gräber wurden aber mittlerweile wieder hergestellt. So verbrachten wir eine etwas gruselige Nacht, inmitten von Mumien und herumliegenden Knochen...

Cusco

 

Unser nächstes Ziel war Cusco, welches im peruanischen Hochland liegt. Nach zwei Tagen Fahrt erreichten wir dann auch die kulturelle Hauptstadt Perus. Hier quartierten wir uns etwas oberhalb der Stadt auf dem Campingplatz Quinta Lala ein, feierten meinen Geburtstag und werkelten etwas an Hägar herum. Das Dachfenster, welches uns in Ecuador davon flatterte und seither mit Plastikfolie und Panzerband ersetzt war, liessen wir uns aus den USA nach Cusco liefern. Nach zwei Tagen Arbeit und tatkräftiger Unterstützung von Roger passte das Ersatzfenster dann auch.

Mit Roger und Anita, welche einen Tag nach uns eintrudelten und mit Miriam und Thomas aus der Schweiz, sowie anderen Reisenden aus verschiedenen Ländern, verbrachten wir gemütliche Stunden in Cusco.

 

Anfang Oktober werden Ilona und Philip, Freunde aus der Schweiz, nach Cusco fliegen und wir werden Peru und Bolivien gemeinsam bereisen. Wir freuen uns sehr mit den beiden Lateinamerika unsicher zu machen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Dienstag, 15 November 2016 19:08)

    läck, soo schpannend+ iedrücklich!! David, hinänoh no alles Gueti zum Geburi ! hät Claudi Pause gha vom schriebe? hoffetli isch sii wieder zwä, uf jede fall "gueti Besserig"