Kolumbien Teil 1

 

   Cartagena

 

Claudi:

Nach dem abenteuerlichen Segeltörn liefen wir in Cartagena und somit in Kolumbien, unserem nun 13. Reiseland, ein. Nun haben wir nach über einem Jahr auf Reisen Südamerika erreicht, eine weitere Reiseetappe, der wir voller Vorfreude entgegensehen.

Cartagena ist nicht übertrieben das hübscheste Kolonialstädtchen, welches wir bisher zu Gesicht bekamen. Die Altstadt besteht aus wunderschönen Kolonialhäuschen, alle bunt leuchtend bemalt und viele davon mit Blumen bepflanzt. Viele Sehenswürdigkeiten gab es zu entdecken und so verbrachten wir fünf Tage in Cartagena. David und Roger waren zwei volle Tage damit beschäftigt, unsere Reisefahrzeuge aus dem Hafen auszulösen. Eine echte Schnitzeljagd, bei der verschiedenste Banken, Büros und Hafenbereiche abgeklappert werden mussten. Der genaue Ablauf davon wäre wiederum unter

 

 http://www.nichtswieweg.ch/pages/tipps-und-tricks/fahrzeugverschiffung/panama-kolumbien.php 

 

beschrieben, falls sich jemand ein genaues Bild davon machen möchte. Da die Herren somit für eine Weile versorgt waren, nutzten Anita und ich die Gelegenheit, die unzähligen Shops in aller Ruhe zu erkunden. In Cartagena war die Hitze so unerträglich, dazu kam noch die enorm hohe Luftfeuchtigkeit, die uns den Schweiss aus den Poren schiessen liess. So blieb uns gar nichts anderes übrig, als jedes einzelne Lädeli (mit Klimaanlage, wohl bemerkt) unter die Lupe zu nehmen. Als Hägar und Mogli endlich aus dem Hafengelände befreit waren, parkten wir diese ausserhalb des Städtchens und genossen die restlichen Tage noch zu viert.  

 

Tayrona Nationalpark

 

Nach Cartagena verabschiedeten wir uns einmal mehr von Moglis, welche in die kühleren Berge Reissaus nahmen. Wir machten uns ein letztes Mal auf zur Karibikküste und quartierten uns auf dem traumhaften Camping „Los Angeles“, zwischen Kokospalmen am Strand ein. Dort trafen wir auf Heidy und Arnaud, zwei Schweizer Reisende, mit denen wir die nächsten Tage verbrachten. Einmal mehr wurden fleissig Reisetipps und -erlebnisse ausgetauscht. Sehr gesellig war es mit den beiden. Da gerade die Europameisterschaft in vollem Gange war und es kein Wifi auf dem Campingplatz gab, wurden wir bei Nachfragen von der netten Besitzerfamilie in ihr Zuhause eingeladen, um den CH-F Match sehen zu können. Von Kleinkind bis Urgrossvater war alles im Haus anzutreffen. Die Herren des Hauses gesellten sich begeistert zu uns dazu und fieberten beim Match mit.

 

Der Tayrona Nationalpark, welcher sich nahe des Campingplatz befindet, wollten wir natürlich auch besichtigen. Wir unternahmen zu viert eine Wanderung dem Meer entlang und durch den Dschungel. Riesig war die Freude, als wir dann die Bucht „la Piscina“ erreichten, in welcher, wie der Name verrät, gebadet werden kann, was an den anderen Stränden wegen lebensgefährlichen Strömungen kaum möglich war. Und was gibt es schöneres, als ein erfrischendes Bad im kühlen Nass, wenn man vor lauter Hitze innerlich zu explodieren droht:-)?

 

Minca-San Gil-Barichara 

 

Nach den gediegenen Tagen am Meer zog es uns, bzw. vor allem mich, weg von der brütenden Hitze, ins etwas höher gelegene Minca. Und siehe da, die Moglis waren auch noch da! Spontan entschlossen wir uns dazu, gemeinsam bis nach San Gil zu fahren, um dort am kommenden Wochenende Rogers Geburtstag zu feiern. Wäre ja schade gewesen, diesen freudigen Anlass nach so langer gemeinsamer Reisezeit zu verpassen. Wir kurvten die Berge hoch, runter, hoch und wieder runter, denn Tunnels sucht man in Kolumbien vergebens. So wunderschön die Fahrt durchs kolumbianische Hochland war, so nervenaufreibend kann das Autofahren hierzulande auch sein...

Die Kolumbianer sind zwar unglaublich herzliche, freundliche und hilfsbereite Menschen - steigen sie jedoch in ein Auto, verwandeln sich viele in fahrende Kamikaze-Monster, die es bevorzugen, in unübersichtlichen Kurven zu überholen, zu drängeln und zu hupen, was das Zeug hält. Jetzt verstehe ich auch, wozu die Kruzifixe, Marienstatuen und die Schriftzüge à la „Jesus es mi guía“ (Jesus ist mein Führer) oder „Jesus es mi repuesto“ (Jesus ist mein Ersatzteil(!)) gut sind. Nämlich damit man die Verantwortung schön in die Hände höherer Mächte legen kann und sich selbst nicht auf die Strasse konzentrieren muss...

 

Auf dem Weg nach San Gil legten wir einen Übernachtungsstopp bei einem Motel mit Internet ein. So konnten wir während dem Frühstück den leider letzten CH-Match der EM schauen. Weiter ging es bis zum Parque Nacional Chicamocha. Mit einem Nationalpark hat das ganze eigentlich gar nichts zu tun, denn es ist eher ein Freizeitpark an einem Canyon gelegen. Wir übernachteten auf dem Parkplatz der „Attraktion“ und gönnten uns eine morgendliche Gondelfahrt über die Canyonschlucht. Danach machten wir uns auf nach San Gil, wo wir einen unglaublich schönen Campingplatz direkt am Fluss fanden. Einmal mehr dank Tips von anderen Reisenden und dem super hilfreichen App „iOverlander“, das uns schon so oft geholfen hat, schöne Schlafplätze zu finden.

Wie im Märchenwald war es auf dem Campingplatz „Fogatas“. Von den riesigen Bäumen hing „Greisenbart“, eine art Moos, herab, was das ganze so bezaubernd erscheinen liess. Vier kleine Geissli sprangen auf dem Platz umher und auch der schöne blaue Ara „Laura“ trug regelmässig zur Unterhaltung bei. Wir feierten Rogers Geburi mit Kuchen, Bier und Rindsfilet vom Grill, was für ein Genuss! Man hätte meinen können, wir hätten auch Geburtstag ;-). Auch hier blieben wir einige Tage im Ort und machten Ausflüge von dort aus. Per Collectivo, eine Art Minibus, fuhren wir zum nahegelegenen Wasserfall, dem schönen Park im Ort oder nach Barichara, einem weiteren hübschen Kolonialdorf in den Bergen. Ausserdem probierten wir die regionale Spezialität „Hormiga culona“, frittierte Dickarschameise. Ein wenig wie ein krosses Speckwürfeli hat es geschmeckt, nur dass der ganze Spass mit Ekelgedanken begleitet wurde, daher reichte uns dann auch eine einmalige Degustation.

 

Villa de Leyva

 

Weiter ging es über holprige Pisten nach Villa de Leyva, ein- wie könnte es auch anders sein- schönes Kolonialstädtchen. Habe ich schon erwähnt, dass es in Kolumbien von hübschen Orten nur so wimmelt? Hier erkundeten wir den Samstagsmarkt, degustierten unzählige uns unbekannte Früchte und stockten unsere Vorräte mit exotischen Vitaminbomben auf. Hier in Südamerika gibt es scheinbar wieder viel Kulinarisches zu erkunden!

 

Nebst Lädele, grillieren und Panama Blog schreiben unternahmen wir hier eine Reittour zu den nahegelegenen Attraktionen. Der erste Halt war beim „Casa Terracotta“, einem echten architektonischen Schmuckstück. Am liebsten würde ich dieses Haus ausbuddeln, zur Post bringen und an einem schönen Fleckchen in der Schweiz hinpflanzen! Weiter ging es zum „Pozo Azul“, einer kleinen Lagune und zum Schluss zum Kronosaurus Skelett „el fósil“. Der Ausritt war herrlich! Endlich durften wir uns, im Gegensatz zu den amerikanischen Pferdetouren, nach Lust und Laune bewegen. Von Schritt über Trab, bis Galopp war alles erlaubt. Kreuz und quer durften wir reiten, Rennen machen, so, wie es richtig Spass macht! 

 

Zipaquirá-Bogotá-Guatapé

 

Nach den Tagen in Villa de Leyva machten David und ich uns auf zum „Paso del Angel“, einer kleinen Wanderung, die über einen schmalen Grat führt, wobei es rechts und links vom Weg tief in die Schlucht hinunter geht. Wegen plötzlichem Wetterumschlag mussten wir nach der ersten Stunde umdrehen und so brachen wir auf, zu unserem nächsten Ziel, der Salzkathedrale in Zipaquirá. Die unterirdische Salzkathedrale entstand aus einer Salzmine, wofür 1/4 Mio. Tonnen Gestein und Salz aus dem Fels gesprengt wurden. Bunt illuminiert ist die höhlenartige Kathedrale, in welcher ausnahmslos alles aus Salzgestein besteht. Nach dem himmlischen Ausflug ging die Reise weiter nach Bogotá, der Hauptstadt des Landes. Auf einem bewachten Parkplatz neben einer Einkaufsmall etwas ausserhalb des chaotischen Innenstadtverkehrs, liessen wir uns nieder. Wir checkten die Läden der Mall aus und besuchten am nächsten Tag das berühmte Goldmuseum, welches als wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt gilt. 35'000 Objekte waren zu bewundern in der grössten Sammlung präkolumbischer Schmuckstücke (der Rest des Goldvorkommens wurde während der spanischen Eroberung eingeschmolzen und gestohlen). Am Nachmittag machten wir uns auf die Suche nach einem warmen Anden-tauglichen Schlafsack, was sich natürlich als weitere Schnitzeljagd herausstellte. Nach dem Abklappern einiger Adressen aus dem Reiseführer fanden wir uns bei der letzten Anlaufstelle für Outdoorartikel ein. Die Adresse stimmte, angeschrieben war die Eingangstüre jedoch als Fahrschule. Von einer Kioskfrau nebenan wurden wir gefragt, was wir denn suchen würden und nach Erklärung unsererseits sagte sie uns, dass wir hier sehr wohl richtig sind. In der Fahrschule klatschte die nette Dame uns einen Outdoor Katalog auf den Tisch und begann uns fachmännisch zu beraten. Das nenne ich mal einen speziellen Ausrüstungsladen! Wir entschieden uns für ein Exemplar und die Frau schickte uns auf Erkundungstour, während sie uns die Ware besorgte. Mit der latino-üblichen halben Stunde Verspätung lieferte sie den Schlafsack wie abgemacht zur Fahrschule. Dort konnten wir übrigens noch die eine oder andere wichtige Verkehrsregel von den Plakaten lesen, während wir warteten! Kein Wunder, landet man regelmässig verkehrt herum in Einbahnstrassen, wenn man nicht weiss, dass gelbe Linien Gegenverkehr und weisse Linien Einbahnverkehr bedeutet ;-)!

 

Nach dem Blitzbesuch in der Hauptstadt fuhren wir zusammen mit Anita und Roger nach Guatapé. Die Strasse führte uns vom kühlen Bogotá, welches auf 2640 mü.M. liegt, hinunter bis 300mü.M, wo uns gleich wieder Schweissattacken überkamen. Also fuhren wir weiter und weiter, über eine wunderschöne Piste, die uns meist um die 10 km/h Fahrttempo erlaubte und unglaubliche Ausblicke in die Täler der Gegend ermöglichte. Als die Dämmerung aufkam, erblickten wir ihn dann endlich, der Peñol de Guatapé, einen riesigen Monolithen, umgeben von einem verzettelten Stausee. Auf einem bewachten Parkplatz gönnten wir uns eine Mütze Schlaf. Früh am Morgen standen wir, wie immer als erste Gäste, am Eingang bereit. Nun hiess es, die 740 Stufen zu erklimmen. Ein ziemlich anstrengender Akt, wenn man sich auf 2100 mü.M. befindet. Als wir schnaubend oben ankamen, wurden wir mit einer atemberaubenden Aussicht auf den nicht enden wollenden Stausee belohnt. Da hat sich jede Anstrengung gelohnt! Vom Gipfel herab konnten wir sehen, wie einige Personen um unsere Autos schleichen. Ok, schauen geht, dachten wir. Als sie dann jedoch an den Türgriffen herum zu hebeln begannen, wurde es uns zu bunt. Ein lauter Pfiff und fuchtelnde Armbewegungen unsererseits brachten die Typen dann in Bewegung. Unten angekommen, sahen wir einer Familie schon von weitem ihr reges Interesse an unseren Autos an. Natürlich wurde zuerst einmal ein Familienselfie mit Mogli im Hintergrund geschossen, anschliessend fing dann die Frau auch am Griff der Hintertüre an herumzufingern. Als sie dann von Anita ermahnt wurde, verzogen sich die Wundernasen dann leicht beschämt. Ist hier wohl so üblich, dass man überall mal hineinschaut, egal, wem die Karre gehört. Wir machen immer wieder gerne Führungen durch Hägar für die neugierigen Kolumbianer, da hier solche Campingmobile nicht sehr verbreitet sind, aber wenn man denn ungefragt am Hintern unseres Hägars herumfummelt, kommen bei mir schon fast beschützerische Muttergefühle auf und ich gehe in Angriffsstellung! Von anderen Reisenden haben wir schon erzählt bekommen, dass sie, nachdem sie ihr Büssli fünf Minuten unbeaufsichtigt gelassen hatten, bei ihrer Rückkehr eine Frau am Tisch sitzend vorfanden. Diese erwartete die Reisenden schon voller Vorfreude und begann sogleich eine nette Unterhaltung mit ihnen, sodass sie eigentlich nur noch akzeptieren konnten, dass die Kolumbianer wohl so sind. Sobald die Türe nicht abgeschlossen ist, ist man hier wohl willkommen.

 

An dieser Stelle soll noch erwähnt sein, dass die Kolumbianer nebst neugierig auch herzensgute, freundliche und aufgestellte Menschen sind. Jederzeit wurden wir von allen liebevoll empfangen und beherbergt und hatten schon sehr spannende Gespräche mit verschiedensten Einheimischen. Immer wieder werden wir herzlich willkommen geheissen in ihrem Land und ihr Interesse an uns, unserer Herkunft und unserer Reise scheint sehr ehrlich zu sein. Da es in diesem traumhaften Land so viel Spannendes zu entdecken gibt, werden wir wohl zwei Blogs von Kolumbien schreiben müssen. Bald folgt dann noch der zweite Teil:-)

 

 

Kommentare: 3
  • #3

    Claudi (Mittwoch, 27 Juli 2016 22:21)

    Danke vielmol! Isch schön z müsse, dass üsi Arbet gschätzt wird ;-) Macheds au ganz guet! Liebe Grüess us Kolumbie! Morn goz denn scho wiiter uf Ecuador!

  • #2

    Tanja&Röbi (Montag, 25 Juli 2016 10:51)

    Do schlüssed mir üs doch de Vreni und em Armin ah, voll läss zum läsä! Und immer mega-Bilder zum luege! :-)
    Besitos :-*

  • #1

    Vreni+ Armin (Sonntag, 24 Juli 2016 18:58)

    es ist einfach mega-spannend euren Block zu lesen, vor allem für uns "Unbereiste!!!! Danke für eure grosse Arbeit, die ihr für uns "Heimgebliebenen" macht!!! Weiterhin allzeit gute Fahrt!!