Panama

-David-

Nach den erlebnisreichen Wochen in Costa Rica verabschiedeten wir uns von dem vielfältigen Land und rollten zur panamaischen Grenze weiter. Unser letzter Grenzübertritt in Mittelamerika sollte sich nochmals als echte Geduldsprobe herausstellen. Nichts desto trotz hatten wir nach langer Wartezeit dann doch noch alle notwendigen Stempel und Papiere beisammen, sodass wir frohen Mutes vom Zollparkplatz losfuhren, nur um nach 10 Metern Fahrt vom Zollbeamten gestoppt und darauf hingewiesen zu werden, dass unsere Fahrräder auch in die Importpapiere eingetragen werden müssen... WTF?!?!

Alles Verhandeln und Diskutieren schien zu nichts zu führen und die ganzen Importpapiere mussten wohl oder übel nochmals erstellt werden. Da der eher semiprofessionell wirkende Zollbeamte sich zuerst noch einen z Vieri gönnte und seine Computertippkünste irgendwo zwischen „Ein- und Zweifinger-Adlersystem im Schneckentempo“ einzuordnen ist, bedeutete dies weitere zwei Stunden Wartezeit im Regen. Dieser Zollbeamte hatte schon beim ersten Anlauf seine fehlende Professionalität bewiesen, indem er nicht glauben wollte, dass Schweiz (Suiza) nicht gleich Schweden (Sueca) ist. Er wollte es einfach nicht glauben und sah diese Tatsache erst nach mehrmaligem Erklären unsererseits und seitens seiner netten Beamtenkollegin ein. Egal, wir haben ja schliesslich Zeit und unendlich viele Nerven. Als nun wirklich jeder Stempel und jede Unterschrift am richtigen Ort sass, durften wir nun endlich nach Panama einreisen. Glücklicherweise war das ganze Einreiseprozedere dann doch noch kurz vor Zollschluss erledigt, sodass uns eine Übernachtung an der Grenze erspart blieb.

 

Nach dieser tagesfüllenden Aufgabe fuhren wir bis nach Almirante, einer schmucklosen Hafenstadt an der karibischen Küste, weiter. Hier liessen wir Hägar für einige Nächte auf einem bewachten Parkplatz zurück und fuhren mit dem Wassertaxi nach Bocas del Toro.

Die Bocas del Toro (zu deutsch Münder des Stiers) sind eine Inselgruppe, welche aus sechs grösseren Inseln und zahlreichen kleinen unbewohnten Inselchen besteht.

Wir quartierten uns für einige Tage auf der Isla Colón ein und unternahmen von hier aus mehrere Ausflüge. Unter anderem erkundeten wir mit einem Motorboot die umliegenden Inseln mit ihren Faultieren und Seesternen, entdeckten Delfine, genossen die traumhaften Inselchen, das türkisfarbene Meer und erkundeten die Unterwasserwelt mit Schnorchel und Taucherbrille.

 

Zurück am Festland führte unser Weg weg vom Meer ins Landesinnere. In Boquete, welches in den Bergen liegt und das Klima etwas angenehmer war, trafen wir wieder auf Anita und Roger.

Hier packte uns einmal mehr das Wanderfieber und Claudi, Roger und ich bestiegen den Volcán Barú. Mit 3477m ist dieser der höchste Berg Panamas.

Aufgrund einer Fussverletzung hielt Anita währenddessen bei den Autos die Stellung und stellte uns als Wandermotivation ein feines Abendessen in Aussicht. Um 5 Uhr morgens starteten wir unsere Besteigung und legten die 1600 Höhenmeter in sechs schweisstreibenden Stunden zurück. Die Aussicht von der Vulkanspitze war gigantisch. Obwohl die Wetteraussichten eigentlich eher bescheiden ausfielen, offenbarte sich uns ein wunderschönes Panorama bis hin zum karibischen Meer zu den Bocas del Toro Inseln und über dicht bewaldete Dschungelhänge.

Etwas unterhalb des Berggipfels befindet sich eine Antennenstation, welche über eine sehr holprige Versorgungsstrasse per Geländewagen zu erreichen ist. Da sich zufälligerweise gerade ein Versorgungsfahrzeug in dieser Anlage aufhielt, konnten wir für ein kleines Trinkgeld auf der Ladefläche mitfahren und uns so den steilen Abstieg sparen.

Nach mehrstündiger Holperfahrt kamen wir dann wieder in Boquete an und wurden von Anita mit einem feinen Abendessen empfangen.

 

Von Boquete fuhren wir weiter bis an die Pazifikküste. Bei einem Hotel fanden wir einen super Stellplatz, genossen für einige Tage den Pool und nutzen das Internet, um unsere Überfahrt nach Kolumbien zu planen.

Schon lange spielten wir mit dem Gedanken, den Weg von Panama nach Kolumbien nicht mit dem Flugzeug, sondern mit einem Segelschiff zurückzulegen. Trotz intensiver Recherche und unzähligen Anfragen fanden wir kein für uns passendes Angebot. Denn auf ein Backpacker beladenes Partyschiff, wo man sich ein Bett mit irgendwelchen Fremden teilen muss, hatten wir keine Lust.

Durch unermüdliches Anfragen stiess Claudi dann aber doch noch auf eine tolle Möglichkeit. Als sich Anita und Roger auch zu der Überfahrt mit dem Schiff entschieden, stieg die Vorfreude auf den Trip noch umso mehr. Wir fanden ein kleineres Segelboot, auf dem vier bis fünf Passagiere inkl. Kapitän und ein weiteres Crewmitglied Platz finden. Bevor wir aber den Segeltörn starten konnten lag noch einiges an Arbeit vor uns. Denn die Fahrzeugverschiffung von Panama nach Kolumbien stellt eine grosse logistische Herausforderung dar. Um genügend Vorbereitungszeit zu haben, fuhren wir bereits eine Woche vor dem Verschiffungstermin nach Panama City, um die nötigen Schritte einzuleiten. Direkt am Panamakanal, versteckt hinter einem Hotel, parkierten wir unsere Autos für die nächsten Tage.

Nebst den Vorbereitungen besichtigten wir natürlich auch die Grossstadt, welche gegensätzlicher nicht sein könnte. Das Stadtzentrum mit seinen modernen Banken- und Bürotürmen steht in krassem Kontrast zu den Elendsvierteln, welche meist nicht einmal eine Querstrasse entfernt liegen.

 

Während einer Taxifahrt durch die Millionenstadt ist mir mein iPhone aus der Hosentasche gerutscht. Leider bemerkte ich dies aber erst, als das Taxi bereits weggefahren war. Da ich die Taxinummer nicht wusste und die Fahrer alle privat organisiert sind, sodass es keine Funkzentrale oder Ähnliches gibt, habe ich mein Telefon schon fast abgeschrieben. Da mein Prepaid-Guthaben aufgebraucht war, war es folglich auch nicht möglich, das Handy anzurufen. Die einzige Möglichkeit war, eine SMS an mein Telefon zu senden und zu hoffen, dass der Taxifahrer diese sieht. Prompt kam dieser der Aufforderung nach und schrieb Claudi zurück, fuhr durch die halbe Stadt und brachte mir mein Telefon direkt zu unserem Übernachtungsplatz. Grossartig diese Ehrlichkeit. Natürlich erhielt er dafür auch einen grosszügigen Finderlohn, worüber er sich sehr freute.

 

Ein Highlight einer Stadtbesichtigung in Panama City ist sicher der Besuch der Kanalschleusen Miraflores. Der rund 82 Kilometer lange Panamakanal wurde 1914 eröffnet und verbindet den Atlantik und den Pazifik. So bleibt den Schiffen die Fahrt um das Kap Horn an der Südspitze Südamerikas erspart. Ungefähr 14 000 Schiffe durchfahren den Kanal jährlich. Die Schiffe müssen auf der Durchfahrt eine Höhendifferenz von insgesamt 29.5 Metern überwinden. Diese werden auf insgesamt drei Schleusenanlagen verteilt.

Bei den Miraflores Schleusen werden die Schiffe in zwei Kammern um 16 Meter angehoben bzw. gesenkt. Von einer Aussichtsplattform aus folgten wir diesem eindrücklichen Spektakel mehrere Stunden lang.

 

Nachdem alle notwendigen Kontrollen und Bewilligungen für die nahende Fahrzeugverschiffung in Panama City erledigt waren, fuhren wir von der Pazifik- an die Karibikküste nach Colón. Von hier aus wird Hägar die Seereise nach Kolumbien antreten.

 

Wer sich für die Einzelheiten des Verschiffungsprozederes interessiert, kann diese unter

 

http://www.nichtswieweg.ch/pages/tipps-und-tricks/fahrzeugverschiffung/panama-kolumbien.php

 

nachlesen.

 

Anita und Roger haben auf ihrer Website den gesamten Verschiffungsprozess als Hilfestellung für andere Reisende detailliert zusammengefasst.

 

Unsere letzten Tage in Mittelamerika verbrachten wir somit in Colón. Colón ist die zweitgrösste Stadt Panamas, lädt aber im Gegensatz zu Panama City in keinster Weise zu einem Stadtbummel ein. Ein Reisender beschrieb Colón im Jahre 1853 als:

 

„eine angelsächsische Siedlung, die dem spanischen Amerika eingefügt wurde, aber nur auf den ersten Blick, denn sie wird von Nordamerikanern dominiert und die Einrichtung der Häuser ist nicht komfortabel. Sie verfügt über keine Kirche, lediglich über ein Krankenhaus für die drei- bis viertausend Einwohner, aber dagegen sind Hotels, Tavernen und alle Arten von Läden reichlich vorhanden. Ihre Bevölkerung wird vom Abschaum aller Nationen gebildet, speziell von dem der englischen Antillen. Niemand wagt es durch die Strassen zu gehen und in den Hotels zu übernachten, ohne gut bewaffnet zu sein. Es ist nicht verwunderlich, dass Colón ist, was es ist: Ein ungesunder Ort und es ist erstaunlich, dass es möglich ist, Leben zu erhalten, in dieser unreinen Pfütze.“

 

Diese Beschreibungen der Grossstadt scheinen auch fast hundertfünfzig Jahre später noch zuzutreffen. Die ganze Stadt schein ein fast unbewohnbares Ghetto aus morschen Holzhäusern zu sein. Die Kriminalitätsrate und die Gewaltbereitschaft ist entsprechend hoch.

Colón verkörpert also so ziemlich alles, was uns von einem Besuch in dieser Stadt fernhalten würde. Wäre da nicht die Fahrzeugverschiffung, welche uns dazu zwingt, einige Tage hier zu verbringen. Glücklicherweise fanden wir etwas ausserhalb der Stadt eine schöne Finca. Hier liessen wir uns für einige Tage nieder, bereiteten die Autos auf die Verschiffung vor und erledigten von hier aus die zahlreichen Behördengänge, bis wir Hägar und Mogli (Anitas und Rogers Duro) schliesslich im Hafen abliefern konnten.

Da es in den Häfen immer wieder zu Einbrüchen in die Autos kommt und wir unser fahrendes Zuhause mit gestecktem Zündschlüssel abgeben mussten, beschlich uns ein doch etwas mulmiges Gefühl, als wir das Hafengelände ohne Autos verliessen...

Die einzige Sicherheitsmassnahme, die wir treffen konnten, war alle Wertsachen auf den Segeltrip mitzunehmen. Ausserdem schmückten wir Hägar noch mit einem kitschigen Plastik-Jesuskreuz, um die meist tiefreligiösen Latinos von einem etwaigen Einbruch abzuhalten. Ein weiteres Exemplar in violett hängten wir direkt an den Schlüssel.

 

Noch am selben Tag fuhren wir mit dem Taxi nach Portobelo weiter. Von hier startete unser Segeltörn nach Kolumbien. Gemeinsam mit unserem kolumbianischen Kapitän German und der Köchin Ahielen aus Argentinien segelten wir von Portobelo aus, der Küste entlang bis zu den San Blas Inseln. Die San Blas sind ein Archipel mit 365 Inseln, von welchen nur einige wenige von Kuna Indianern bewohnt werden. Die Fahrt durch das Inselparadies war fantastisch. An verschiedenen Inseln legten wir an, um zu baden, zu schnorcheln oder die Inseln zu erkunden. Die Kuna Indianer freuten sich über einen Besuch und versorgten uns mit frischgefangenem Fisch. Nach drei herrlichen Tagen um die San Blas Inseln machten wir uns auf die lange Überfahrt nach Cartagena auf. Drei Tage sollte die Überfahrt dauern. So ruhig wundwunderschön die karibische See bei schönem Wetter ist, um so wilder und ungestümer wird sie während eines Tropensturmes. So kamen wir dann nach einigen Tagen Traumwetter doch noch in den Genuss eines ausgewachsenen Sturmes. Ein eindrückliches, wenn auch etwas beängstigendes Schauspiel. Die hohen Wellen und der starke Wind führten zu einer schlaflosen Nacht. Zum Glück wurde Stugeron sei Dank, niemand von der Seekrankheit gepackt. Nach insgesamt sechs Tagen kamen wir am späten Abend im Hafen von Cartagena in Kolumbien an. Nach der schönen Zeit auf dem Meer freuten wir uns dann doch wieder, festen Boden unter den Füssen zu haben.

 

Nun sind wir also nach über einem Jahr in Nord- und Mittelamerika in Südamerika angelangt. Grossartig auf was für tolle Erlebnisse und Erfahrungen wir zurückblicken dürfen und wir freuen uns nun riesig darauf Südamerika kennenzulernen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Tanja&Röbi (Montag, 11 Juli 2016 14:32)

    Juhuuuuuuu voll läss!!!! Und echt teilwis krassi Gägäsätz z'Panama! :-(
    S'Titelfoti isch de Burner - au wili gseeeeeeh :-)
    Gnüssed South America !

    Cheers, Tanja & Röbi