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Horses & Huskies de los Pehuenes

-David-

Als die ganze Inseratarbeit für den Camperverkauf erledigt war, machten wir uns auf dem Weg in Richtung Westen. Im nördlichen Patagonien fanden wir auf der Pferde- und Huskyfarm de los Pehuenes ein Zuhause auf Zeit.

Schon länger spielten wir mit dem Gedanken, unser Reiseleben durch einen Arbeitseinsatz zu bereichern. So streckten wir unsere Fühler ein wenig nach Möglichkeiten aus und stiessen dabei auf Hernans Projekt. Sofort waren wir begeistert und nahmen mit ihm Kontakt auf. Hernan, der Besitzer der Farm teilte uns mit, dass wir sofort bei ihm anfangen können, wenn wir möchten. So durchquerten wir Argentinien der Breite nach und kamen freudig und erwartungsvoll auf der Farm an.

 

Bei unserer Ankunft wurden wir herzlich von Hernan und den anderen Arbeitern, Satu aus Finnland, Tilly aus England, sowie Lauti aus Argentinien begrüsst und ins Landleben eingewiesen.

Die für argentinische Verhältnisse eher kleine Farm liegt fernab der Zivilisation – das nächste Örtchen Las Lajas ist 50km entfernt. Umgeben von Araukarienwäldern und den Andenausläufern ist die Landschaft schon fast kitschig schön. Die Farm wurde von Hernan selbst entworfen und gebaut. Natürlich ist sie durch die Abgeschiedenheit nicht ans Wasser- oder Stromnetz angeschlossen. Wasser wird aus einem kleinen Fluss gewonnen und für etwas Licht am Abend sorgen Sonnenkollektoren. Geheizt und teilweise gekocht wird mit Holz. Sofort fühlten wir uns in der rustikalen Umgebung wohl und stürzten uns in den Arbeitsalltag.

Das Kerngeschäft sind Reit- und Hundeschlitten Touren. Da unser Arbeitseinsatz auf die Zwischensaison fiel, waren nur noch wenige Reittouren durchzuführen und da noch kein Schnee lag, noch keine Schlittentouren möglich. Dennoch gab es immer etwas für uns zu werkeln und wir fühlten uns schon nach wenigen Tagen wie echte Gauchos (argentinische Cowboys).

 

Nebst 38 Huskies, beherbergt die Farm 9 Pferde. Unsere Haupttätigkeiten waren die Betreuung der Tiere, die Erledigung von diversen Unterhalts- sowie Reparaturarbeiten, die Begleitung von Touren, sowie die Bereitstellung der beiden Cabañas und die Gästebetreuung.

Farmalltag

Im Folgenden werde ich versuchen, euch unseren Gauchoalltag etwas näherzubringen:

Unsere Arbeitstage begannen ganz nach argentinischer Manier nicht sonderlich früh. So begab sich Claudi meist um ca. 8.30Uhr in die Küche, entzündete das Feuer im Ofen, kochte Kaffee und bereitete den Hundereis für die abendliche Fütterung vor. Nach dem Frühstück trieben wir die Pferde zusammen, fütterten sie und nutzen die Gelegenheit manchmal, dass gleich alle Pferde anwesend waren, für einen kurzen Ausritt. Anschliessend reinigten wir die Huskygehege, untersuchten die Hunde auf Verletzungen von nächtlichen Kämpfen. Anschliessend standen unterschiedliche Arbeiten auf dem Programm. Ich kümmerte mich mehr um Unterhalts- und Reparaturarbeiten, wie Gehege reparieren und ausbessern, einen Wintervorrat an Brennholz anlegen, diverse Sanitärarbeiten in den Cabañas usw. Claudi beschäftigte sich derweil mit der Reparatur und Pflege des Zaumzeuges der Pferde, der Instandsetzung der Schlittengurte für die Huskys, der Neubeschilderung der ganzen Farm, nähte neue Vorhänge usw. Ausserdem kümmerte sich Claudi meist um das Mittagessen und verwöhnte uns mit ihren Köstlichkeiten.

Am Nachmittag stand natürlich Siesta (wir sind ja schliesslich immer noch in Argentinien) auf dem Programm. Wir nutzen diese freie Zeit am Nachmittag oftmals zum lesen, für einen Ausritt oder um unser Angelglück im nahegelegenen Fluss zu versuchen.

Am späteren Nachmittag – nach dem obligaten Mate - setzten wir dann unsere Arbeiten fort, bis dass es Zeit für die Hundefütterung war. Die Hunde ernähren sich hauptsächlich von Schlachtabfällen. Diese besorgten wir jeweils mit Hernan bei den Metzgern in Las Lajas. Das Fleisch wurde von uns allabendlich portioniert und mit dem gekochten Hundereis gemischt. Teilweise bekamen wir von den Metzgern ganze Organe, Tierköpfe oder Rippenbögen sodass die Zubereitung machmal eine etwas blutige Angelegenheit war. Bei fast 40 Hunden, nimmt die Fütterung entsprechend Zeit in Anspruch. Nach den Hunden wollten dann auch noch die Pferde gefüttert werden. Um ca. 20.00Uhr waren dann die meisten Arbeiten soweit erledigt und wir konnten unseren wohlverdienten Feierabend geniessen, sofern wir nicht die Huskies trainierten. 

Huskytraining

Um für die Wintersaison gerüstet zu sein, trainierten wir regelmässig mit den Hunden. Dabei spannten wir sie entweder vor das Quadbike, um einen Hundeschlitten zu simulieren oder wir gingen mit ihnen, fixiert an einem Klettergurt laufen. Dabei übten wir immer wieder die unterschiedlichen Laufkommandos.

Los Huskies

Siesta, Essen und argentinische Leichtigkeit

Die gemütlichen Abende verbrachten wir meist gemeinsam im Haupthaus. Den Abschluss des Abends bildete das Abendessen. Denn in Argentinien wird verflixt spät gegessen. Wenn wir um 22.00Uhr gegessen haben, dann war dies noch früh. Meist assen wir erst kurz vor Mitternacht, bevor wir uns dann schlafen legten. So interessant ich diese für uns völlig ungewohnte Tageseinteilung auch finde, so konnte ich mich irgendwie nie richtig daran gewöhnen, war ich doch noch nie ein Tagschläfer. Die meisten Argentinier, legen sich während der Siesta für mehrere Stunden schlafen...

 

Dies war so ungefähr der Standardablauf unserer Tage. Natürlich kam meist eh alles anders, da Hernan in äusserst sympathischer Weise völlig planlos ist. Planung wird ja eh grundsätzlich überbewertet. So brachte fast jeder Tag Überraschungen und Unvorhergesehenes mit sich. Wir hatten während unserer Reise ja genügend Zeit, uns an die für viele Westeuropäer doch eher chaotisch anmutende lateinamerikanische Lebens- und Arbeitsweise zu gewöhnen. Hernan erzählte uns, dass schon einige Volontäre, welche direkt aus Europa zu ihm kamen, mit diesem Chaos so ihre Schwierigkeiten hatten. Wir genossen dieses Wirrwarr meist und mussten uns nur selten anhören, dass dies jetzt aber doch etwas schweizerisch war...

 

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mit chaotischer Arbeitsweise, den Lateinamerikanern in keinster Weise Faulheit unterstellen möchte – ok gut vielleicht ein bisschen schon... Vielmehr aber haben die meisten Latinos, so wie ich es erlebt habe, generell einen ganz anderen Bezug zur Arbeit wie wir in Westeuropa. Generell scheint der Arbeit als solches ein viel kleinerer Stellenwert beigemessen zu werden. So wird man in einer Unterhaltung mit Argentiniern eigentlich kaum nach seinem beruflichen Hintergrund gefragt. In den westlichen Kulturkreisen empfinde ich die Frage nach der Tätigkeit manchmal als Instrument zur Erfragung des sozialen Status – ganz nach dem Motto, du bist was du tust. In Argentinien wird dies wohl etwas pragmatischer gesehen. Viel mehr scheint hier der Grundsatz, du bist was du isst zu gelten... Die meisten Argentinier, die wir kennenlernen durften, sind nämlich hervorragende Esser. Und wie bei uns sich die Leute über das Wetter unterhalten können, kann man mit einem Argentinier oder einer Argentinierin stundenlang über Essen plaudern. Da natürlich nur übers Essen reden nicht satt macht, assen wir während der Zeit auf der Farm auch super gut und vor allem viel. Zum Glück arbeiteten wir körperlich relativ hart und waren den ganzen Tag draussen. Ansonsten hätte unser Körperumfang dann doch etwas argentinische Verhältnisse (ja die meisten Leute in Argentinien sind übergewichtig) angenommen. Hernan verwöhnte uns regelmässig mit einem grandiosen Asado (viel gegrilltes Fleisch und ein bisschen Gemüse) oder einem Cordero. Ein nach Gauchoart auf dem Feuer zubereitetes Lamm. So und jetzt merkt man, dass wir bereits seit November in Argentinien sind, kann ich mich doch kaum vom Essensthema losreissen.

Reittouren

Fiesta del pasto

Im ländlich geprägten Las Lajas, ist das Fiesta del pasto (Heufest) das Highlight des Jahres. So liessen wir es uns als Nachwuchsgauchos denn nicht nehmen, an diesem dabe zu sein und genossen mit Gabriela und Antonio die traditionellen Darbietungen.

Sprachmix und Besuch

Ganz interessant war übrigens auch die Verständigung auf der Farm. Je nach Zusammensetzung der gerade Anwesenden unterhielten wir uns in Spanisch, Englisch oder Schweizerdeutsch. Als dann noch Antonio und Gabriela aus Portugal zu unserem Team dazustiessen, war der Mix perfekt. Für uns war der Arbeitseinsatz auch eine super Möglichkeit, unser Spanisch noch etwas zu vertiefen. Blöderweise wird in Argentinien ein etwas spezieller Akzent gesprochen (j, ll und y werden als sch betont) und ich übernahm diese Betonung teilweise. Dies brachte und bringt Claudi immer mal wieder zum lachen...

Ein weiteres Highlight unseres Aufenthaltes war der Besuch unserer lieben Freunde Anita und Roger, sowie Jenny und Gaven. Die nicht vorhandene Planung ging perfekt auf, Claudi und ich hatten „sturmfreie Bude“, da alle Anderen auf einer mehrtägigen Reittour waren und wir uns um das Haus und die Tiere kümmerten. So verbrachten wir ein grandioses Wochenende zusammen.

Vom Abschied und Neuanfang

Nach sieben Wochen hiess es dann für uns Abschied von der Farm, den Tieren und unseren neuen Freunden Hernan, Tilly, Gabriela und Antonio zu nehmen. Satu und Lauti verliessen die Farm schon einige Wochen vor uns. Bei einem super Abschieds Asado feierten wir bis in die Nacht. Wir verliessen die Farm nur ungern und wollten noch länger bleiben, hätte sich Hägar nicht so gut verkauft. Innerhalb einer Woche erhielten wir mehrere Kaufanfragen. Schlussendlich fragte uns eine Familie mit zwei Jungs an und wir konnten uns unkompliziert auf eine Übergabe einigen. So machten wir uns etwas wehmütig auf den Weg in Richtung Uruguay. Zum einen Wehmütig, da uns unser Aufenthalt auf der Farm so gut gefallen hat, zum Anderen natürlich auch, da nun ein weiterer Abschied immer näherrückt. Unsere letzten Wochen mit Hägar waren angebrochen. Die Vorstellung, dass wir nur noch einige Male im bequemen Bett schlafen werden, wollten wir noch möglichst lange verdrängen.

 

Hier noch Hernans Homepage, falls jemand Interesse an unvergesslichen Ferien in Nordpatagonien hat. Von 3stündigen Touren bis 10 tägigen Anden Überquerungen hoch zu Ross, sowie Huskyschlittentouren ist für alle etwas dabei!

www.pasopinohachado.com.ar 

Uruguay

In Uruguay angekommen, beschäftigten wir uns nach einem Besuch im hübschen Kolonialständchen Colonia de Sacramento vor allem mit der Vorbereitung für den Verkauf. So mussten wir noch die Motorhaube, sowie die Kabinenstützen neu Lackieren und Hägar von Haube bis Heck pützeln und polieren. So verbrachten wir über eine Woche damit, unser Reisefahrzeug für die Übergabe auf Vordermann zu bringen.

Um die ganzen Putz- und Räumarbeiten zu erledigen, quartierten wir uns im Paraiso Suizo in der Nähe von Piriapolis ein. Hier gab es ein schönes Wiedersehen mit verschiedenen anderen Reisefreunden, die wir während unserer Tour kennenlernten. Da man in Uruguay eine Fahrzeuggenehmigung für ein ganzes Jahr bekommt, nutzen dies viele Overlander und stellen ihre Reisemobile im Paraiso Suizo unter, um die Reise zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. So ist das Paraiso Suizo ein sehr beliebter Treffpunkt. Unter anderem trafen wir auch auf Daniela und Roman aus der Schweiz. Die beiden bereisten in den letzten Monaten Südamerika mit ihrem Fahrzeug. Da sie ihr Auto nun wieder nach Europa zurück verschiffen, durften wir ihnen unser „Übergepäck“ mit auf den Weg geben. Ganz vielen Dank nochmals dafür ihr beiden!

 

Am 27. April holten wir Stefan, den neuen Besitzer von Hägar, am Flughafen in Montevideo ab. Stefan wird mit seiner Familie ab August Südamerika bereisen. Stefan flog für die Fahrzeugübergabe bereits jetzt nach Uruguay. Die nächsten Tage verbrachten wir mit der Einweisung in die Bedienung von Hägar und erledigten den ganzen Papierkram. Gemeinsam besichtigten wir auch noch Montevideo und fuhren anschliessend nach Argentinien, um die Grenzformalitäten zu erledigen. So verbrachten wir noch einige schöne gemeinsame Tage, bis wir uns dann von Hägar und Stefan verabschieden mussten. Stefan fuhr zurück nach Uruguay, wo er Hägar bis zum Reisebeginn im August unterstellen wird. Wir wünschen ihm und seiner Familie eine unvergessliche Zeit in Südamerika und das sie Hägar so zuverlässig wie uns durch alle Abenteuer führen wird.

Buenos Aires

So nun war er also weg und wir sind nun ohne Auto unterwegs. Irgendwie ein komisches Gefühl. Fast zwei Jahre sind wir nun mit Hägar durch Nord- Mittel- und Südamerika gekurvt und haben dabei über 70`000km zurückgelegt. Nun beginnt ein neuer Abschnitt unserer Reise und wir freuen uns auch darauf mit Bus und Flugzeug unterwegs zu sein.

 

 

Nach der gelungenen Übergabe verbrachten wir noch einige Tage im schönen Buenos Aires. Hier trafen wir wieder auf Allie und Lulo mit Baby Teo, welche wir in Kolumbien kennengelernt haben. Die beiden sind vor einigen Monaten nach Argentinien zurückgekehrt, da Allie schwanger war. Inzwischen ist Teo geboren. Zusammen erkundeten wir die spannende Stadt. Ausserdem freuten wir uns natürlich auch auf ein Wiedersehen mit Lauti, welcher auch auf der Farm gearbeitet hat. Auch er und seine Freundin führten uns in ihrer Heimatstadt herum. Es ist immer spannend, eine Stadt aus der Sicht von Einheimischen kennen zu lernen. So sieht man nicht nur die touristischen Hotspots, sondern gelangt an Ecken, die man sonst wohl nicht gefunden hätte.

Iguazu

Von Buenos Aires fuhren wir mit dem Bus weiter nach Puerto Iguazu in den argentinischen Norden. Da die Fahrt 20h dauerte, entschieden wir uns für einen komfortablen Schlafsitz. Und tatsächlich, die Sitze glichen denen der Businessclass in Flugzeugen und liessen sich in Liegeposition bringen. Es wurde uns sogar Essen serviert. Eigentlich auch eine ziemlich vornehme Art zu reisen.

In Puerto Iguazu wollten wir vor allem die Wasserfälle besichtigen. Frühmorgens gingen wir auf Erkundungstour. Insgesamt bestehen die Igazu Fälle aus 275 Wasserfällen, welche auf einer Ausdehnung von 2.7km zu besichtigen sind. Sie liegen sowohl in Argentinien, wie auch in Brasilien. Bei den höchsten Fällen stürzt das Wasser aus bis zu 82m in die Tiefe. Ein eindrücklicher Anblick. Während unserer Tour wurden wir auch noch von einer Gruppe Nasenbären überrascht. So verbrachten wir fast den ganzen Tag an diesem magischen Ort. Da uns die Wasserfälle so gut gefallen haben, werden wir sie wohl von der brasilianischen Seite gleich nochmals besuchen.

 

Nach diesem Highlight genossen wir nochmals ein feines argentinisches Steak, bevor wir nun in Richtung Brasilien nach Foz do Iguaçu weiterreisen werden. Hier werden wir für eine Weile die tropische Wärme geniessen.

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